Kommentar: Milliarden für die Aktionäre

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Frank Pröse

Ist doch cool, Mann! Da regt sich Deutschland über ein paar Millionen von einer Fußball-Größe hinterzogenen Steuern auf und der High-Tech-Konzern unserer Zeit schlechthin verschafft sich mal eben steuerliche Vorteile von sage und schreibe 9,2 Milliarden Dollar.

Ganz legal entzieht Apple der amerikanischen Öffentlichkeit eine Riesensumme und wird für diesen Trick zugunsten der Aktionäre auch noch gelobt: Einfach cool, oder?

Apple will bis 2015 etwa 100 Milliarden Dollar an Anteilseigner ausschütten, über Dividenden sowie einen groß angelegten Aktienrückkauf. Dafür haben sie sich in Cupertino eine auf den ersten Blick absurde Aktion ausgedacht. Denn obwohl der Konzern mit dem angebissenen Apfel als Logo 145 Milliarden Dollar Bar-Reserven im Ausland besitzt, hat er sich Geld am Kapitalmarkt geliehen. Wozu muss sich ein Konzern, der mal eben mehr als ein Drittel der griechischen Staatsschulden tilgen könnte, überhaupt Geld leihen? Um Steuern zu sparen.

Die Zinsen auf die 17 Milliarden Dollar schwere Anleihe dürften Apple etwas über 300 Millionen Dollar im Jahr kosten. Das ist deutlich günstiger als die Steuerzahlung, die nach Angaben der Rating-Agentur Moody’s bei einer Aktivierung des gewaltigen Auslandsvermögens von Apple fällig geworden wäre. Wenn Apple diese Mittel ins Heimatland zurückgebracht hätte, hätte der Fiskus in den Vereinigten Staaten auf Abgaben von mindestens 35 Prozent drängen können. Der schickt zwar seine „Kavallerie“ in die Schweiz, um Einlagen von Privatpersonen aus der Illegalität zu holen, mag aber nichts dagegen unternehmen, dass Weltkonzerne ihre Gewinne in Steueroasen horten und lieber an fremde Banken Zinsen zahlen, als ihren Beitrag zum Gemeinschaftswohl zu leisten.

Nun sind die USA weit weg. Tricky Apple ist deshalb nicht zwingend ein Thema für deutsche Kommentarspalten. Und doch weitet der Blick über den Atlantik hin und wieder den oft so eng wirkenden nationalen Horizont. Denn auch hierzulande gibt es für die Großen viele völlig legale Schlupflöcher, von denen der gemeine Steuerpflichtige nur träumen kann. Deshalb wird der in großem Stil abgelenkt, wenn sich denn die Chance ergibt.

Wir beschäftigen uns dann mit Steuersündern vom Schlage Hoeneß, derweil sich die Global Player wie Apple, Google und Co. mit Hilfe von Politikern und Banken die Welt aufteilen.

Ziemlich uncool, Mann!

Quelle: op-online.de

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