Nur Verlierer

Kommentar zum Streit mit Griechenland

Zwischen der Euro-Gruppe und Griechenland geht es zu wie bei einem Pokerspiel - allerdings droht beiden Seiten eine Niederlage. Athens Einsatz ist hoch. Die neue Regierung setzt darauf, dass die Partner das Land in der Gemeinschaftswährung halten wollen. Von Marc Kuhn

Aus ökonomischer Sicht spricht indes nicht viel dafür. Der Beitrag Griechenlands zur europäischen Wirtschaftsleistung ist gering. Und als Absatzmarkt beispielsweise für Deutschland ist Hellas einzig für die Pharma- und Lebensmittelbranche sowie für Maschinen- und Autobauer interessant. Ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro ist für die Wirtschaft auf dem Kontinent verkraftbar. Der Grexit hätte für die Griechen aber katastrophale Folgen - dessen scheinen sich die Menschen nicht bewusst zu sein. Auf dem freien Kapitalmarkt könnte sich Athen nicht refinanzieren. Die Drachme würde abstürzen. Die sozialen Verwerfungen wären immens.

Allerdings hätte der Schritt auch für die europäische Politik gravierende Folgen. Nicht nur in der Ukrainekrise will die EU gemeinsam gegenüber Russland auftreten. Ähnlich sieht es bei anderen Herausforderungen auf der Welt aus. Schert Athen aus, bröckelt die Front. Europa würde an Schlagkraft verlieren. Dies würde beispielsweise Putin in die Hände spielen, der den Westen mit seiner Aggressionspolitik ohnehin spalten will. Aber auch bei Partnern wie den USA, die ohnehin darüber klagen, dass die EU in der Außenpolitik nicht mit einer Stimme spricht, würde Europa weiter an Rückhalt verlieren.

So unvorstellbar eine Lösung in dem Streit scheint, so wünschenswert ist sie. Europa kann und wird Kompromissvorschläge machen. Doch die griechische Regierung muss verbal abrüsten und von Maximalforderungen abrücken. Sie muss ihrer wirtschaftlichen und politischen Verantwortung gerecht werden - nicht nur gegenüber den Menschen in Griechenland, sondern gegenüber der Bevölkerung in ganz Europa. Es wird Zeit, dass Premier Tsipras die EU als eine Solidargemeinschaft begreift, in der stets ein Geben und Nehmen herrscht. Der Blickwinkel des Linken ist bisher aber auf soziale Komponenten beschränkt, wirtschaftliche und politische blendet er aus. So kann und darf man nicht regieren.

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Quelle: op-online.de

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