Studie über Nichtwähler

Kommentar: Erstaunlich windstill

Auch bei den nächsten Wahlen werden sie wieder im Mittelpunkt des Interesses stehen: die Nichtwähler. Von Peter Schulte-Holtey

Sie sind unscheinbar, denn die „heimlichen Sieger“ einer wachsenden Zahl von Wahlen - auch auf kommunaler Ebene - lassen sich ja am Wahlabend bei keiner Partei-Party oder Talk-Runde blicken. Erstaunlicher Weise ist ihr konkretes Anliegen auch Politikwissenschaftlern noch weitgehend unbekannt, genauere Studien fehlten. Was mehr denn je auffällt: Das Problem wächst, aber in der politischen Debatte bleibt es immer noch erstaunlich windstill.

Jetzt bringt eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und des Instituts für Demoskopie Allensbach zumindest ein wenig Licht ins Dunkel: Grund für die Wahlmüdigkeit sei nicht Frust oder Protest, sondern eine wachsende Gleichgültigkeit - vor allem bei einkommensschwachen und bildungsfernen Menschen.

Es ist schon frustrierend: Unzufriedenheit mit dem eigenen sozialen Status mobilisiert die Wähler nicht. Doch die Umfrage weckt auch Hoffnung - vor allem mit der Erkenntnis, dass viele Bürger große Unterschiede zwischen den im Bundestag vertretenen Parteien ausmachen können. Damit verstärkt sich der Vermutung, dass sich auch „Wähler auf Urlaub“ weiterhin über das politische Geschehen informieren und grundsätzlich bereit sind, zu wählen.

Aufklärung in den Medien lohnt sich also durchaus. So irrt gewaltig, wer als Wahlberechtigter meint, er strafe irgendwen damit ab, indem er nicht zu Wahl geht. Die „Verweigerer“ sollten sich zudem fragen, warum soviel Macht einfach verschenkt werden soll? Und wie bewerten sie ihr Verhalten, wenn man bedenkt, dass es viele Länder weltweit gibt, wo die Menschen nur an einer Stelle ein Kreuz machen können?

Vielleicht muss es in Zukunft auch noch häufiger betont werden: Wer ehrlich ist, der wird schnell feststellen, dass kaum eine politische Frage ein einfaches Ja oder Nein zulässt. Vielfach muss um Lösung gerungen werden. Politik ist anstrengend.

Quelle: op-online.de

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