Not der syrischen Flüchtlingskinder

Kommentar: Es muss mehr getan werden

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Siegfried J. Michel

Offenbach - Schon seit dem Frühjahr 2011 toben die Kämpfe zwischen den Truppen von Syriens Staatschef Baschar al-Assad und Regierungsgegnern. Mehr als 120 000 Menschen wurden seither getötet. Von Siegfried J. Michel

Nach Angaben der Hilfsorganisation Oxfam sind inzwischen über zwei Millionen Menschen vor dem Bürgerkrieg ins Ausland geflohen. Mehr als die Hälfte von ihnen sind Kinder. Das Leid ist gewaltig. Nachdem Assad einwilligte, seine Chemiewaffen zerstören zu lassen, laufen die diplomatischen Versuche, dem Krieg eine Ende zu setzen, nur noch mit halber Kraft. Der Druck der internationalen Gemeinschaft auf die Konfliktparteien hat merklich nachgelassen. Und so geht das Töten in dem geschunden Land weiter, die Flüchtlingsströme verebben nicht. Im Januar soll es eine internationale Syrien-Friedenskonferenz in Genf geben. Ob es wirklich dazu kommt, ist fraglich.

Nicht mit Ruhm bekleckert bei der Hilfe für Flüchtlinge haben sich bisher die Länder der EU, das gilt auch für Deutschland. Um die Not dieser entwurzelten Menschen - insbesondere der Kinder - zu lindern, muss mehr getan werden. Laut einem Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind die höchsten Zahlen von syrischen Kinder-Flüchtlingen im Libanon (385.000), in der Türkei (294.000) und Jordanien (291.000) zu verzeichnen. Um die Dimensionen nochmals zu verdeutlichen: Im kleinen Libanon gibt es neben vier Millionen Libanesen 1,6 Millionen syrische Flüchtlinge.

Da treibt es einem schon die Schamesröte in Gesicht, wenn man darauf blickt, dass die Bundesregierung sich im Frühjahr ja „großzügig“ bereit erklärt hatte, 5000 Flüchtlinge aus Syrien - Erwachsene und Kinder - nach Deutschland zu holen. Weil man es diesen Menschen dabei nicht leicht macht und Hürden aufgebaut hat, sind bisher aber nur 1500 Syrer aus diesem Kontingent eingereist. Der amtierende Bundesinnenminister Friedrich (CSU) hat sich jetzt offen für die Aufnahme weiterer syrischer Flüchtlinge gezeigt. Dann sollte die Zahl aber so ausfallen, dass man sich als Bürger dieses ja eigentlich reichen Landes nicht schämen muss. Gleiches gilt für andere Länder in Europa. Zudem müssen Syriens Nachbarländer mehr unterstützt werden, damit sich die Situation in den Flüchtlingslagern entspannt. Und es muss verhindert werden, dass die Kinder zu einer verlorenen Generation werden.

Quelle: op-online.de

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