Mehr Respekt

Kommentar zu Tarifverhandlungen für Erzieher

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Offenbar wollen die Arbeitgeber den Erzieher-Beruf nicht aufwerten“, stellte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft gestern Abend nach der dritten Verhandlungsrunde für den Sozial- und Erziehungsdienst in Düsseldorf fest. Von Peter Schulte-Holtey

Die Vorschläge der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände werden gar als schlichtes „Ablenkungsmanöver“ bezeichnet. Für die Beschäftigten in Kitas, Sozialeinrichtungen und Ämtern geht das Bangen und das Hoffen auf mehr Gehalt also weiter. Es ist ein Trauerspiel: Gerade mit dem Gedanken „Geld ist nicht alles“ wurde der Beruf der Erzieherin in der Ausbildung und der Vergütung jahrelang kleingehalten, aber mit vielen neuen Forderungen in der frühkindlichen Bildung und deren Umsetzung in der Betreuung beauftragt. Erzieherinnen haben längst eine Schlüsselposition, Bildungsbedürfnisse der Kinder zu erforschen, Bildung zu fördern und zu vermitteln. Kein Zweifel: Sie brauchen mehr Anerkennung.

Natürlich kann das Klagen der Stadtkämmerer zum Teil nachvollzogen werden. Nach den Berechnungen der kommunalen Arbeitgeberverbände summieren sich die Forderungen der Gewerkschaften auf Mehrkosten von 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. Die größte Gruppe sind die Erzieher in der Gehaltsstufe S6: Die Gewerkschaft verlangt für sie eine deutliche Höherstufung eines Monatsgehalts von 3289 Euro auf 3974 Euro. Soviel verdienen bislang die Leiter von Kindertagesstätten mit mindestens 40 Plätzen. Allein diese Forderung bringe Mehrkosten von rund einer halben Milliarde Euro, haben die Arbeitgeber ausgerechnet. Klamme Kommunen allein können das nicht. Da ist auch der Bund gefragt, der schließlich den Kita-Ausbau verordnet hat und die Kosten gerne auf die Länder und Städte überträgt.

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Es sind schwierige Verhandlungen; es geht um die Zuordnung von etwa 50 Tätigkeitsmerkmalen in Gehaltstabellen und damit um die Eingruppierung von 220.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst der Kommunen. Die Gespräche werden am 16. April in Hannover und am 20./21. April in Offenbach fortgesetzt. Spannung ist programmiert, denn die Gewerkschaften stellen den Verantwortlichen unserer Gesellschaft wichtige Fragen: Wofür sind sie denn bereit, Geld auszugeben? Haben die vielen Engagierten in Kitas und Sozialeinrichtungen nicht mehr Respekt für ihre Arbeit verdient?

Quelle: op-online.de

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