Mitten ins Herz

Kommentar zu den Terroranschlägen in Brüssel

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Peter Schulte-Holtey

Offenbach - Die Terroranschläge von Brüssel sind mehr als nur sinnloses, feiges Morden. Sie sind ein GAU für unsere freien Gesellschaften. Sie treffen mitten ins Herz. Von Peter Schulte-Holtey 

Der „Größte Anzunehmende Unfall“ besteht darin, dass Terroristen auch in gut gesicherten Bereichen, Bahnhöfen und Flughäfen, zuschlagen. Natürlich muss das auch mit Blick auf den Ballungsraum Rhein-Main und insbesondere dem Flughafen beunruhigen. Der Terror kann uns treffen – wann, wo und wie die Täter es wollen. Die Bomben sollten Angst - in Belgien, insgesamt in Europa - verursachen. Der perfide Plan scheint aufzugehen. Viele fragen sich: Wo ist man jetzt noch sicher? In Deutschland ist den islamistischen Terroristen bislang kein verheerender Anschlag gelungen. Unsere Sicherheitsdienste konnten rechtzeitig zugreifen. Dabei deutet auch manches darauf hin, dass einige ernsthafte Zwischenfälle erst gar nicht an die Öffentlichkeit gelangt sind. Doch das ist kein Trost, wenn sich deutsche Touristen in immer mehr Nachbar- und Urlaubsländern ängstigen müssen.

Natürlich ist es frustrierend, zu wissen, dass es den perfekten Schutz vor Terror in unseren Gesellschaften gar nicht geben kann. Es wird nicht möglich sein, Terror von Einzeltätern – zum Beispiel in Flughäfen – durch strengere Sicherheitsvorkehrungen zu verhindern. Wer es auf leichte, so genannte „weiche“ Ziele abgesehen hat, wird immer welche finden.

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Wir werden also mit der Gewissheit zurecht kommen müssen, dass unsere Art zu leben Ziel islamistischer Mörderbanden bleibt. Das auszuhalten ist schwer. Aber wir sollten jetzt auch die großen Gefahren für die Zukunft unserer Gesellschaft erkennen. Wenn wir anfangen, uns in der Öffentlichkeit einzuschränken, haben die Terroristen ihr langfristiges Ziel erreicht: die Basis unserer Freiheit durch überzogene Eingriffe im Namen der Sicherheit zu beschädigen. Das darf nicht geschehen. Gerade jetzt sollte es lautstarker denn je gesagt werden: Wir haben sehr viel zu verlieren: eine offene, demokratische Gesellschaft, Pluralismus, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung und Respekt vor unseren Mitmenschen. Dass dies längst nicht selbstverständlich ist, wird uns längst vor Augen geführt. So ist die zunehmende Radikalität in kleinen Teilen der Gesellschaft ein untrügliches Zeichen, dass das Gift der Verblendeten schon wirkt.

Allein die Erinnerung an unsere Werte wird aber nicht ausreichen; sie sollte einhergehen mit großer politischer Entschlossenheit. So müssen wir von unseren Sicherheitsbehörden verlangen, dass sie ihre Strategien weiter verbessern. Es muss darum gehen, die europäische Verzahnung von Nachrichtendiensten effektiver zu gestalten und auszubauen. Dafür brauchen sie mehr Personal und modernste Technik. Bislang ist ja nach Terroranschlägen immer wieder die Frage gestellt worden, wie viele Bürgerrechte die Menschen bereit sind, aufzugeben, um in größerer Sicherheit zu leben. Die Frage sollte diesmal ganz anders lauten: Wie viel Geld ist den Politikern die Sicherheit der Bürger wirklich wert?

Quelle: op-online.de

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