Angemessen reagieren

Kommentar zur Terrorgefahr in Deutschland

Es ist sicherlich richtig gewesen; angesichts der Bedrohung von Tausenden in Hannover mussten die Sicherheitsverantwortlichen das Länderspiel gegen die Niederlande absagen. Von Peter Schulte-Holtey

Obwohl es leider im Vorfeld symbolisch so aufgewertet war (als Fußballfest für den Frieden), musste diese Entscheidung getroffen werden. Die Vorkommnisse in Hannover unterstreichen zugleich aber eine Erfahrung, mit der wir auch im Rhein-Main-Gebiet seit Jahren leben müssen. Den perfekten Schutz vor Terrorismus gibt es nicht. Es wird nicht möglich sein, perfide Angriffe von Einzeltätern – zum Beispiel in Flughäfen – mit absoluter Sicherheit zu verhindern. Wer es auf leichte, sogenannte „weiche“ Ziele abgesehen hat, wird immer welche finden.

Es muss jetzt darum gehen, im Alltag angemessen auf den islamistischen Terrorismus zu reagieren. Natürlich hat Sicherheit dabei höchste Priorität. Wenn die Bedrohungslage zu groß ist, müssen Veranstaltungen halt abgesagt werden. Andere Länder – wie Israel, Großbritannien und die USA – leben schon viel länger mit der ständigen Gefahr durch Terroristen; sie haben sich eingerichtet, sie haben sich nicht einschüchtern lassen.

Vor allem sollten wir uns in diesen Tagen an die Worte des norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg erinnern, die er nach dem Anschlag des Rechtsextremisten Breivik sagte: „Unsere Antwort wird mehr Demokratie sein, mehr Offenheit und mehr Menschlichkeit.“ Das heißt: Die aktuelle Bedrohungslage verändert nicht alles in unserem alltäglichen Leben. Sie ist ein Appell, die Werte in unseren westlichen Gesellschaften intensiver zu verteidigen. Und sie verstärkt den Druck, alsbald Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen zu finden: Wie können wir einerseits Sicherheitstechniken und -strategien verbessern, anderseits unsere Persönlichkeitsrechte verteidigen? Was bedeutet es für die Integrationspolitik, dass solche Anschläge von Männern verübt werden, die hier, im Westen, aufgewachsen sind?

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Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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