Terrorverdacht in Bonn

Kommentar: Keine Insel des Glücks

Nach Ansicht des Zukunftsforschers Matthias Horx haben die Deutschen mehr Angst vor Terroranschlägen als vor den Folgen des Rauchens. Er zieht daraus den Schluss, der Bundesbürger fürchte sich vor den falschen Gefahren. Von Jörg S. Carl

Zukunftsforscher können irren, denn sie haben sich einer unberechenbaren Größe verschrieben. Der 11. September 2001 war eine Zäsur, auch im Bewusstsein der westlichen Gesellschaften. Der militante Islamismus hat die Zukunft ein Stück unsicherer gemacht. Die USA, Großbritannien und Spanien haben das auf grausame Weise erfahren. Die Anschläge, die selbst ernannte „heilige Krieger“ verübten, waren verheerend.

Deutschland wurde bisher weitgehend verschont. Die Sicherheitsbehörden arbeiteten effektiv; einmal zündete ein Gasgemisch nicht. Es gab nur einen tödlichen Anschlag eines Einzeltäters; zwei US-Soldaten waren die Opfer, in der breiten Öffentlichkeit waren sie bald vergessen. Der Bonner Fall ruft in Erinnerung, dass auch die Menschen hierzulande mit Bedrohungen leben müssen. Deshalb in Panik zu verfallen, ist unangebracht, aber Horxsche Verdrängungsmechanismen nutzen ebenso wenig: Deutschland ist keine Insel der Glücksseligen, an der der organisierte Terror auf Dauer vorbeisegeln wird. Daraus sind mindestens zwei Lehren zu ziehen: Jeder Einzelne sollte wachsam sein, versuchen, auf sich und seine Nächsten achtzugeben. Und man hüte sich vor Verallgemeinerungen. Die große Mehrheit der Muslime will hier in Frieden leben.

Quelle: op-online.de

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