Poker mit dem Teufel

Kommentar zum Thema: Gespräche mit Assad - Türkei verärgert

Verhasste Politiker mit Hitler zu vergleichen ist so beliebt wie unsinnig. Auch im Fall Assad. Dass gerade die Türken es sind, die diesen Vergleich bemühen, ist stark. Zum einen: Vor nicht allzu langer Zeit waren Assad und Erdogan noch ein Herz und eine Seele. Von Werner Menner

Zum anderen: Assad werden zu Recht viele Verbrechen vorgeworfen. Aber auch die türkische Weste ist in puncto Menschenrechte alles andere als rein. Um das zu dokumentieren, muss man keineswegs bis zum Völkermord an den Armeniern zurückgehen.

Es ist viel Heuchelei im Spiel, wenn so getan wird, als würde man den zum Unberührbaren stigmatisierten syrischen Präsidenten weiterhin schneiden. Die Geheimdienste verhandeln seit langem mit ihm. Auch der amerikanische. Man muss es tun! Die USA kennen die Alternativen nur zu gut. Sie selbst haben mit ihrer Irak-Politik mit dafür gesorgt, dass der IS sich zu einem mörderischen Monster entwickeln konnte.

Dass Washington (noch) nicht offiziell direkt mit Assad sprechen will, ist verständlich. Der Syrer ist der Grund des Krieges – auch wenn es in Wirklichkeit um Macht und Einfluss in der Region geht. Aber dass sie verhandeln, ist wichtig: Der Krieg wird immer grausamer. Die Menschen in Syrien haben ein Recht darauf, dass alles zu ihrer Rettung getan wird. Und sei es, mit dem Teufel zu pokern.

leserbriefe@op-online.de

Quelle: op-online.de

Kommentare