An die Leine gelegt

Kommentar zum Thema Glücksspiel

Wenn im Posteingang auf dem Computer eine Mail mit dem vielversprechenden Titel „Sie haben gewonnen“ auftaucht, können viele der Versuchung nicht widerstehen. Von Detlef Drewes

Irreführende Werbung mit falschen Versprechungen reichen schon, damit viele Nutzer jene Portale betreten, auf denen Glücksspiele, Online-Casinos und andere Wettbetreiber ihr Geschäft ausüben. Dass es daneben auch durchaus seriöse Anbieter gibt, die schon heute mit staatlicher Erlaubnis ihre Gewinnspiele betreiben, sei der Vollständigkeit halber erwähnt. Aber nun werden alle an die Leine gelegt. Was die Brüsseler EU-Kommission an Vorgaben von den Mitgliedstaaten einfordert, hat Sinn. Zugangsbeschränkungen für unter 18-Jährige, Spieler-Konten mit zeitlichem und finanziellem Limit - das klingt alles gut, wenn die damit gegebenen Möglichkeiten der Aufsicht und Selbstkontrolle durch die Betreiber auch wahrgenommen werden. Dass da viel Online-Sozialarbeit und -beratung nötig ist, wissen alle Beteiligten. Zu leicht erliegen eher unbedarfte Internet-User den glänzenden Versprechungen, mit denen geworben wird. Dass allerdings Brüssel erst einschreiten muss, um für mehr Verbraucherschutz zu sorgen, ist einmal mehr traurig.

Tatsächlich hat die EU den eigentlichen Tabubruch, der auch dieser Regulierung zugrunde liegt, schon vor längerer Zeit angefangen. Damals ging es um Lebensmittel, für deren Werbung nicht selten gesundheitsbezogene Aussagen benutzt wurden. Die EU-Lebensmittelkontrolleure überwachen seither, ob das, was angeblich den Blutdruck senkt oder einen hohen Cholesterinspiegel bekämpft, auch wirklich hält, was es verspricht. Dieser Eingriff in die Reklame war - nach dem Tabakwerbeverbot - der nächste Schritt, aber letztlich eine Konsequenz aus dem Verhalten der Marketing-Manager, die sich um den Wahrheitsgehalt ihrer verlockenden Versprechungen keinen Deut kümmerten. Nun nutzt die Kommission dieses Instrument, um einen weiteren Bereich zu sanktionieren. Das mag in diesem Fall aus Sicht des Verbraucherschutzes sogar sinnvoll erscheinen. Mit einem freien Markt hat das allerdings wenig zu tun. Mit einer Erziehung zum mündigen Bürger, der seine Entscheidungen selbstverantwortlich treffen kann und müsste, noch viel weniger.

Quelle: op-online.de

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