Sicherheit am Lebensabend?

Kommentar: Übers Alter neu nachdenken

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Peter Schulte-Holtey

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt rasant. Und es ist ja auch überall zu beobachten: Ältere sind sportlich aktiv, mobil, engagiert, und viele können mit ihrem Leben zufrieden sein. Von Peter Schulte-Holtey

Ein höchst erfreulicher Trend, der noch durch eine weitere Tatsache gestützt wird: Materiell geht es der Seniorengeneration so gut wie keiner vor ihr – und wohl auch keiner nach ihr. Es scheint also so, als würde die jetzige Rentnergeneration als die goldene in Erinnerung bleiben. Sie können zudem darauf vertrauen, dass noch mehr ins Sozial und Gesundheitssystem investiert wird. Das verunsichert natürlich die Jüngeren. So sollten die Erfolgs- und Wohlfühlmeldungen jetzt auch nicht den Blick auf gefährliche Entwicklungen in der Gesellschaft verstellen. Denn der Sprengstoff ist längst gelegt: Die Zahl der von Altersarmut betroffenen Rentner in Deutschland wird alsbald rasant wachsen; immer mehr Menschen sind im Niedriglohnsektor beschäftigt und zahlen nur kleine Summen in die Rentenkasse ein. Wer heute 2 000 Euro brutto verdient, wird, wenn er 2030 in Ruhestand geht, eine Rente unterhalb der Grundsicherungsgrenze erhalten.

Mit geringen Verdiensten bleibt zudem kaum Spielraum, um zu sparen oder Geld für die private Vorsorge zurückzulegen. Schon jetzt sind 600 000 der 20 Millionen Ruheständler auf Grundsicherung angewiesen, weil ihre Rente das Existenzminimum nicht abdeckt. Diese Zahl wird noch deutlich steigen. Vor allem Frauen sind betroffen. Durchschnittlich haben sie im Alter fast 60 Prozent weniger Geld als Männer. Minijobs und Teilzeitarbeit, die sie häufig ausübten, führen in die Altersarmut. Bei den künftigen Verteilungskämpfen in der Alterssicherung wäre es also gut, wenn sich der Sachverstand auf die Linderung steigender Altersarmut konzentrieren könnte. Über das Thema Alter muss völlig neu nachgedacht werden.

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Quelle: op-online.de

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