Ukraine hat gewählt

Kommentar zur Ukraine-Krise

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Die Wähler in der Ukraine strafen die Russen Lügen. Seit Monaten behauptet die Propaganda-Maschine in Moskau, das Land sei in Händen von Faschisten und Nationalisten. Von Marc Kuhn

Das kommt gut an bei den Bürgern in Russland. Die bisherigen Wahlergebnisse zeigen aber, dass die Ukrainer rechte Parteien deutlich abgestraft haben. Das ist auch gut so. Sonst würde sich der Westen mit seiner künftigen Unterstützung schwer tun.

Allerdings dürfte die Einschätzung der Bundesregierung reiner Zweckoptimismus sein. Sie sieht im voraussichtlichen Sieg proeuropäischer Kräfte einen wichtigen Schritt zur Stabilisierung des Landes. Das Bekenntnis der Wähler verdient Respekt. Ist es doch von der Hoffnung getragen, an der Seite Europas dem wirtschaftlichen und sozialen Elend zu entkommen. Es gibt indes auch Putin und seiner herrschenden Kaste Rückendeckung in der russischen Bevölkerung. Die Sympathien der Ukrainer für die Europäische Union, die ja auch andere Ex-Sowjetrepubliken an die Seite von Brüssel gebracht haben, sind den Russen ein Dorn im Auge. Das Wahlergebnis wird nicht zur Stabilisierung der Ukraine beitragen. Es wird vielmehr den Konflikt anheizen. So klingt es fast ironisch, wenn Moskau den Sieg moderater Kräfte begrüßt.

Wenn Putin und Co. zur Entspannung beitragen wollten, so würden sie die von den Separatisten für Sonntag geplanten Wahlen in ihren selbsternannten „Volksrepubliken“ stoppen. Das Votum dürfte keine großen Überraschungen bringen. Es wird Putins perfider Politik weiteren Auftrieb geben.

Die Ukraine-Krise ist noch lange nicht zu Ende. Und ihre negativen Auswirkungen auf die deutsche und europäische Wirtschaft halten ebenfalls an. Letztlich zählt nur die Frage, wer dem Sanktionsdruck länger standhalten kann: der Westen oder Russland? Damit entscheidet sich auch das Schicksal der Ukraine - nicht mit der Wahl.

Quelle: op-online.de

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