Putins imperiales Projekt

Kommentar: Von wegen Größenwahn

So eiskalt der Mann wirkt, so gefährlich ist er auch. Russlands Staatschef Wladimir Putin war noch nie ein Sympathieträger, jetzt zeigt er sich angeblich auch der Wirklichkeit entrückt, wie die Kanzlerin nach einem Telefonat urteilt. Von Frank Pröse

Angela Merkel liegt falsch, wie auch jene, die dem kleinen Mann im Kreml Größenwahn attestieren. Putin steht eher mit beiden Beinen mitten im Leben. Mit seinem exakt und aus russischer Sicht klug vorbereiten imperialen Projekt der Rettung der Ukraine vor der Vereinnahmung durch die EU trifft er mitten hinein ins russische Herz, streichelt er die geschundene Seele. Dabei schätzt er seine Widersacher offensichtlich richtig ein: Ein paar Sanktionen, mehr haben die nicht auf der Pfanne, sonst würden sie sich selbst schädigen.

Ziemlich dreist und hinterfotzig und in Anlehnung an historische Vorbilder lässt Putin Unruhen schüren, um dann im zweiten Schritt Truppen schicken zu können. Die Krim ist gekidnappt, der Westen hat nur zuschauen können. Putins imperiale Taktik ist bisher aufgegangen. Ihr könnte letztlich auch die Ukraine zum Opfer fallen, denn sie passt so gut ins angedachte wiederbelebte Imperium aus Sowjetrepubliken. Und eines ist sicher: So gefährlich Putin ist, so nervenstark ist er auch, wie seine öffentlichen Einlassungen zeigen. In dieser Hinsicht scheint er den auf Diplomatie bedachten Vertretern westlicher Regierungen haushoch überlegen. Das ist denen heute nicht vorzuwerfen. Die Fehler im Umgang mit dem „lupenreinen Demokraten“ sind viel früher gemacht worden.

Quelle: op-online.de

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