FDP im Umfragekeller

Kommentar: Auf dem Weg zur Randnotiz

Es ist eher selten, dass über Splittergruppen so ausführlich berichtet wird. Von Frank Pröse

Aber eine Partei, die vor nicht allzu langer Zeit 15 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte, eine Partei, die als Partner in vielfarbigen Regierungen die Politik dieser Republik maßgeblich mitbestimmt hat, eine Partei, der aktuell gerade noch zwei Prozent der Wähler ihre Stimme geben würden, eine solche Partei zieht die Aufmerksamkeit auf sich und besitzt immer noch genug historisches Gewicht, um nicht als Randnotiz zu landen.

Böse Zungen werden gleich feststellen: Zwei Prozent für die FDP, das sind die Stimmen der Hoteliers, Ärzte, Apotheker, Steuer- sowie Unternehmensberater und nicht zuletzt Anwälte. Aber selbst diese von den Liberalen stets offensiv gehätschelte Klientel wendet sich von der Partei ab, sonst gäbe es nämlich keinen Rückgang auf die aktuell ermittelten zwei Prozent. Offenbar fühlen sich die Ex-Anhänger, von ihrer Partei stärker verraten als Anhänger anderer Parteien. Stellvertretend für andere Themen könnten hier vor allem die Eurorettung stehen, bei der die Liberalen den verbal ausgetretenen Pfad marktwirtschaftlicher Tugenden verlassen haben. Da dürfte nicht einmal mehr die Ankündigung eines Steuergeschenks aus dem Dilemma helfen.Schließlich hat die FDP im Verein mit der Union viele ihrer Wahlversprechen nicht halten können.

Nach der enttäuschenden Sichtung der Inhalte fällt der Blick aufs Personal. Da gibt es mit Christian Lindner einen Hoffnungsträger in Nordrhein-Westfalen, der völlig widersinnig auch gerade deshalb Hoffnungen trägt, weil er sich von einem auf den anderen Tag für ein paar Monate aus dem Politbetrieb zurückgezogen hatte. Mit der Verweigerung, gemeinsam mit anderen den Karren aus dem Dreck zu ziehen, steigen demnach die Aufstiegschancen bei der FDP. Die Konkurrenz an der Spitze ist ja auch überschaubar mit Guido Westerwelle, der als FDP-Vorsitzender mehr Einfluss auf die Regierungsarbeit hatte als heute im Amt des Außenministers. Sein Nachfolger an der Parteispitze, Philipp Rösler, wird von der alten Garde gar nicht erst ernst genommen, bei jeder Gelegenheit vorgeführt und sieht sich völlig losgelöst von Wahlergebnissen schon auf dem Abstellgleis. Er wird sich selbst dort nicht halten können, dafür werden die Landesverbände, allen voran die Hessen, schon sorgen.

Im Abseits steht auch Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel, der ungeachtet einer peinlichen Teppich-Affäre und konfrontiert mit schweren Vorwürfen von Vetternwirtschaft in einem Ministerium, dass er einst abschaffen wollte, die große Lippe riskiert. Mehr ist nicht.

Bleibt schließlich der Liebling der Stammwähler, Rainer Brüderle, der zwar mit den von Liberalen okkupierten Worthülsen schlagzeilenträchtig aus der Hüfte zu schießen versteht und ab und an der Kanzlerin Paroli bietet, in der Tagespolitik abseits der Bühne aber blass bleibt. Ministrabel ist Brüderle im Bund jedenfalls kaum, außer es würden die gleichen Maßstäbe angesetzt wie bei seinen schwach agierenden Parteifreunden in Amt und Würden, heißen sie Westerwelle, Rösler, Bahr oder Niebel.

Aber diese Frage stellt sich ohnehin nicht. Angela Merkel und ihre Union werden stärker und stärker, auch weil SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück mit seinen Vortrags-Honoraren und Ansichten über Rotwein-Preise oder Kanzlergehalt kein Fettnäpfchen auslässt und so die SPD mit ins Umfrage-Tief zieht. Ergo dürften in einer Großen Koalition mit dem Juniorpartner SPD eher sozialdemokratische Minister gesucht werden. Brüderle führt dann die Liberalen vielleicht in der Opposition – dann ist es aber optimal für die FDP gelaufen. Sonst findet er sich mit seiner Partei eben doch in den Randnotizen wider.

Quelle: op-online.de

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