Immer mehr fremdeln

Kommentar: Vom Umgang mit Flüchtlingen

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Eine Flüchtlingswelle schwappt über das Land, und die Welle herzlichen Willkommens bricht langsam in sich zusammen. Von Frank Pröse

Was ist passiert, außer dass die Angst vor den Massen angesichts einer im Notstand naturgemäß etwas hilflos reagierenden Politik zunimmt? Immer weniger Bürger trauen der Regierung zu, Arbeits- und Wohnungsmarkt sowie Sozialsysteme in die neue Zeit zu retten, wenn denn bereits für die Flüchtlinge Ausnahmen vom Mindestlohn gefordert und Immobilien für Notunterkünfte beschlagnahmt werden. Zwangsbewirtschaftung von Wohnraum zugunsten von Flüchtlingen, die bei strenger Auslegung des Grundgesetzes eigentlich nur zu einem Bruchteil eine Aufenthaltsberechtigung erhalten: Da fühlen sich die Deutschen rasch als Fremde im eigenen Land, zumal die öffentliche Ordnung in Gefahr sein soll – so die Begründung für die Maßnahme. Es ist interessant, dass dort, wo der Staat Eingriffe in den Markt vermieden hat und viele Familien durch hohe Mieten vertrieben worden sind, plötzlich staatliche Bewirtschaftung möglich ist. Die Flüchtlingskrise macht’s möglich, die allgemeine Wohnungsnot reicht dafür nicht.

Meldungen von Vergewaltigungen, Kindsmissbrauch und Schlägereien in Lagern, das Mobbing von Christen durch streng gläubige Moslems ebendort, das alles verstärkt das Verlangen, neben den Flüchtlingen aus sicheren Herkunftsländern auch alle Bösen auszusortieren, die Kriminellen, und die, die sich offensichtlich nicht an unsere Ordnung halten oder ihre Werte zum Maßstab von anderen machen wollen. Eine getrennte Unterbringung nach Herkunft oder Religion ist freilich die falsche Reaktion. Konsequenterweise müssten muslimische Radikale dann ja später auch eine Wohnung getrennt von Christen erhalten. Das wäre letztlich staatlich verordnete Behinderung von Integration durch voneinander abgeschottete Siedlungsgebiete. Bleibt also die Ausweisung für jene, die sich nicht anpassen wollen. Aber auch diese in den letzten Tagen so oft vorgetragene Forderung ist eher wohlfeil. Wohin denn im Einzelfall bitte abschieben? Ins Konfliktgebiet zurück? Das kann einem Todesurteil gleichkommen.

Deutschland kontrolliert wieder an den Grenzen

Solche Zusammenhänge plagt das Pegida-Bündnis nicht. Vor etwa einem Jahr gegründet auf dem geistigen Fundament von Ressentiments gegen fremde Menschen und fremden Glauben, hat es aktuell wieder Zulauf und an diesem Montag knapp 10.000 Wüteriche auf die Straße gebracht. Anhängern und Sympathisanten war zu viel Toleranz in den letzten Wochen. Da werden Presseleute dieses Mal nicht nur als „Lügner“ beschimpft, sondern gleich ordentlich vermöbelt, wird gegen „muslimische Wurfmaschinen“ agitiert wie von „verdammten Islamisten“, die mit Gummigeschossen traktiert gehörten. Noch sind die Claqueure von Dresden in der Unterzahl. Es ist zu befürchten, dass es viel mehr werden, wenn der Flüchtlingsstrom nicht bald in geordnete Bahnen gelenkt wird. Das gäbe etwas von der Sicherheit zurück, die in weiten Teilen der Bevölkerung verloren gegangen zu sein scheint.

Quelle: op-online.de

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