Unsicheres Wirtschaftsklima

Kommentar: Der Euro ist sturmreif

Uns geht es gut. Wie ein Fels in der Brandung trotzt die deutsche Wirtschaft allen Widrigkeiten. Weiter so, heißt es aus Regierungsmund. In Berlin wird auf alte Rezepte gesetzt, als hätten die sich als brauchbar erwiesen. Alles macht sich Sorgen um die Konjunktur. Wir nicht. Von Frank Pröse

Was schert uns die Talfahrt an den Börsen, der Druck auf unseren Euro. Wenn die Industrie Europas in ein tiefes Konjunkturloch zu fallen droht, wo doch jetzt schon die Arbeitslosigkeit im gemeinsamen Währungsraum so hoch wie nie zu vor ist, wenn China mit einer Konjunkturdelle zu kämpfen hat und die Vereinigten Staaten immer neue Hiobsbotschaften verbreiten, dann wird das zwar Auswirkungen auf die deutsche Ökonomie haben. Das ahnen alle. Aber irgendwie schüttelt die hiesige Wirtschaft die Probleme auch wieder ab. Krise ist woanders.

In Spanien beispielsweise, auf das die Anleger wegen riesiger Verluste der Banken ebenso mit Sorge blicken wie auf Portugal und Zypern. Aber schlappe Geldinstitute im europäischen Währungsverbund sind nun wirklich noch kein Grund zur Panik, ist das doch quasi dem System innewohnend.

Doch inzwischen wird Euro-Land zum globalen Sorgenkind. Wegen der Schuldenkrise drosseln Banken weltweit ihre Kreditvergabe. Die Banken trauen also weder den Euro-Rettern noch sich selbst. Wieder einmal zeigt sich das wahre Gesicht der Krise, und diesmal dürfte keine noch so teure Schminke die Fratze mehr aufhübschen können.

Die gegenwärtige Lage ist nahezu vergleichbar mit der von 2008, als die Finanzkrise mit der Lehman-Pleite ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte. Die Gefahren für die Konjunktur wurden recht spät erkannt. Die Europäische Zentralbank versorgte die Banken mit 1 Billion Euro Billigkredit zu einem Prozent Verzinsung. Politisch erhofft war ja, dass damit Staatsanleihen gekauft und der Wirtschaft Kredite gewährt werden. Da Letzteres nicht stattfindet ..., was passiert mit dem Geld?

Die Zentralbank sollte die Kredite lieber direkt an die Unternehmen vergeben. Wieso der Umweg über die Banken? Die würden weniger „systemrelevant“ - was ja durchaus gewollt ist.

Den Rest besorgen die Märkte. Sie werden die Politik zur ultimativen Entscheidung treiben. Danach wird die Euro-Zone anders aussehen als heute. China trifft bereits Vorbereitungen für den Fall eines Austritts Griechenlands. Eine Arbeitsgruppe der Euroländer forderte die Regierungen inzwischen auf, nationale Notfallpläne für diesen Fall auszuarbeiten. Auch Unternehmen wie der Handelskonzern Metro treffen Vorkehrungen für ein Scheitern der Gemeinschaftswährung.

Die Politik ziert sich im öffentlichen Raum noch vor den Konsequenzen ihrer gescheiterten Rettungspolitik, während sich intern die Taskforce Griechenland im Finanzministerium schon auf einen Ausstiegsbeschluss der Griechen vorbereitet. Der Euro ist sturmreif geschossen.

Quelle: op-online.de

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