Urteil von Kairo

Kommentar: Ringen um Einfluss

Wenn man verstehen will, warum die Konrad-Adenauer-Stiftung die neuen ägyptischen Machthaber stört, dann muss man sich nur einmal die Leitlinien der Stiftung anschauen.

Die Ideale einer christlich geprägten Demokratie und eines solchen Menschenbilds vertragen sich nicht mit den Zielen der Muslimbruderschaft - erst recht nicht, wenn Organisationen wie die Adenauer-Stiftung einen klaren politischen Missionsauftrag verfolgen.

Aber ging denn das Werben und die Arbeit der Bonner für Rechtsstaatlichkeit und Zivilgesellschaft in Kairo nicht 30 Jahre lang gut? Ja, aber nur wenn man davon absieht, dass es in Ägypten weder heute noch vor zehn, zwanzig oder dreißig Jahren einen Rechtsstaat gab. Der Unterschied ist: Früher ließ sich mit Geld am Nil mehr erreichen als heute. Das haben vor allem die Amerikaner ausgenutzt. Viele Ägypter, übrigens auch Nicht-Muslimbrüder, empfinden dies als nationale Schande. Noch ist in dieser Sache nicht das letzte Wort gesprochen. Doch das Urteil von Kairo erinnert daran, dass selbst eine noch so gut gemeinte politische Bildung immer auch eins ist: Einflussnahme. Und das passt nicht jedem.

Quelle: op-online.de

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