Vorstoß für Rentenreform

Kommentar: Das gibt Ärger

Schon die Rente mit 67 löste einen Sturm der Entrüstung aus. Dennoch fordern Wissenschaftler immer wieder aufs Neue: Die Deutschen müssen noch länger arbeiten - wie jetzt in einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung. Von Peter Schulte-Holtey

Ein merkwürdiger Ansatz: Eine solche Diskussion ergibt doch erst dann Sinn, wenn das tatsächliche Rentenalter von 65 Jahren auch wirklich erreicht wird. Derzeit sind weniger als 40 Prozent aller 55-Jährigen noch in einem Beschäftigungsverhältnis. Das momentane Renteneintrittsalter von 65 Jahren sollte also zunächst einmal ausgeschöpft werden, bevor immer wieder neue Vorschläge vorgebracht werden

Für weiteren Zunder in der Debatte wird vor allem die Forderung nach einer Bürgerversicherung sorgen, also die Einführung einer Versicherungspflicht auch für Beamte und Selbstständige. Würden auch diese Berufsgruppen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, könnten das Sinken des Rentenniveaus und der gleichzeitige Anstieg des Beitragssatzes zumindest abgefangen werden, heißt es. Doch die Forscher wissen natürlich, dass Reformen in diesem Bereich nur in kleinen, wohlüberlegten Schritten vorankommen werden. Dass hier etwas geschehen muss, wird wohl niemand ernsthaft bezweifeln. So hat eine Studie des Steuerzahlerbundes ergeben, dass sich sämtliche schwebenden Versorgungsverpflichtungen im Bund und den Ländern bis 2050 auf 1,36 Billionen Euro summieren. Auch dieses Szenario unterstreicht die Forderung nach Reformen; die Pensionsregeln sind nicht mehr zeitgemäß. Zwar wird man aktuell die riesigen Finanzierungslasten nicht mehr von den öffentlichen Haushalten nehmen können, aber man kann sie mittelfristig abschmelzen - und den Rentenkassen mehr Luft verschaffen.

Nur: Welche Partei bringt den Mut auf, im Wahlkampf Klartext zu reden?

Quelle: op-online.de

Kommentare