Kommentar: Schwere Zeiten für Merkel

Selten haben Landtagswahlen eine so große bundespolitische Dimension wie dieser Tage. Annegret Kramp-Karrenbauer hat im Saarland richtig gepokert: Die Wähler haben ihren Ausstieg aus dem Jamaika-Bündnis honoriert und sie wohl an die Spitze einer großen Koalition gehievt.

Die Bundeskanzlerin wird der CDU-Sieg freuen. Schließlich wird ihre Machtbasis in Deutschland gestärkt. Ein Wermutstropfen dürfte Angela Merkel indes zum Grübeln bringen: Einmal mehr ist ihr Koalitionspartner regelrecht demontiert worden. Kaum vorstellbar, dass die FDP sich berappelt und für eine weitere Koalition im Bund bereit stehen könnte.

Langsam dürfte es der Kanzlerin dämmern, dass ihre Fixierung auf die Liberalen bei gleichzeitiger vehementer Absage an die Grünen sich bitter rächen könnte. Die planen längst mit der SPD den Machtwechsel in Berlin. Und auch eine große Koalition im Bund wird bei den Sozialdemokraten keine Option sein. Schließlich wären sie dann der Juniorpartner, in einem rot-grünen Bündnis würde die SPD dagegen den Ton angeben.

Und die FDP? Immer wieder sind die Wähler von ihr nur enttäuscht - im Saarland und auf Bundesebene. Das Personal überzeugt nicht, die Inhalte fehlen. Dort, wo die Liberalen noch regieren, können sie den Bürgern nichts bieten. Folgen die nächsten Tiefschläge in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, düfte die Basis FDP-Chef Rösler wohl den Stuhl vor die Tür setzen. Doch: Auch ein Neuer dürfte es äußerst schwer haben, die Kehrtwende einzuleiten.

Für die Kanzlerin brechen trotz des CDU-Siegs an der Saar schwierigere Zeiten an. Sie muss den Euro retten und sich mehr auf die Innenpolitik konzentrieren.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Marc Kuhn

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