Weniger Angst vor Politikerversagen

Kommentar: Kurze Atempause

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Peter Schulte-Holtey

Offenbach - Eigentlich müsste dieser Wahlkampf für die Politik insgesamt sehr erfolgreich sein und ungewöhnlich viele Menschen an die Wahlurnen bringen. Von Peter Schulte-Holtey

Denn die Angst der Deutschen, dass ihre Politiker überfordert sind, oder sich nicht gut um ihre Interessen kümmern, ist laut einer Studie der R+V Versicherung stärker zurückgegangen als je zuvor. Der Wert sank um zehn Prozentpunkte und lag mit 45 Prozent auf dem bisher niedrigsten Stand seit langem - entgegen des vor Wahlen üblichen Trends.

Vorsicht! Unsere Politiker sollten sich nicht zu sehr freuen. Denn der als Berater an der Studie beteiligte Politikwissenschaftler Manfred Schmidt verweist zur Erklärung vor allem auf den steigenden Konjunkturoptimismus. „Wenn die Furcht vor einer schlechteren Wirtschaftlage zurückgeht, sinkt auch die Sorge vor einer Überforderung der Politiker“, erklärte der Heidelberger Professor. Mit anderen Worten: Den Deutschen geht es relativ gut, sie sparen mit Kritik an „der Politik“, sie sind gelassener.

Die Volksvertreter können sich also nicht entspannt zurücklehnen. Sie sollten dieses Umfrageergebnis als kurze Atempause in der allgemein üblichen Negativbewertung ihrer Arbeit verstehen. Natürlich wissen sie auch, dass es um ihren Ruf besser bestellt wäre, wenn das alte deutsche (Vor-)Urteil über die Politik als „schmutziges Geschäft“ nicht immer wieder durch Raffkes und Affären in den eigenen Reihen befeuert würde. Aber sie könnten nach der Wahl auch aktiv ihr Image verbessern und Reformfähigkeit beweisen - bei ihren extrem komfortablen Pensionsregelungen und bei den enorm hohen, vom Steuerzahler beglichenen Gesamtkosten eines aufgeblähten Politik- und Parteienapparats. Damit könnten sie aus eigener Kraft Vertrauenspunkte sammeln.

Quelle: op-online.de

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