Schwieriger Wandel

Kommentar: Wer vertraut der Deutschen Bank?

Die Deutsche Bank leidet unter den Hypotheken der Vergangenheit und es wird noch einige Zeit dauern, bis der vom Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen versprochene Kulturwandel Realität wird. Vielleicht wird es damit nie etwas. Von Achim Lederle

Die Altlasten aus der Ära Ackermann belasten die Deutsche Bank schwer: Es laufen Ermittlungsverfahren wegen Hypothekengeschäften, wegen Verdachts des Steuerbetrugs, wegen Manipulation von Zinsssätzen und und und...

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite muss und will die Deutsche Bank wie jedes andere Kreditinstitut mit Geld (oder der Option darauf) weiteres Geld verdienen. Und eine Bank wie die Deutsche wird sich nie dem Wandel in Reinkultur verschreiben und zum Beispiel den Schwerpunkt auf die Geschäftsbereiche Mittelstandskunden und „kleine Sparer“ legen. Hier heißen die Konkurrenten Sparkassen und Volksbanken, und die sind glaubwürdiger und traditionsreicher.

Die Deutsche Bank will und muss das große Rad drehen. Sie hat ihr Geld in der Vergangenheit vor allem im Investmentbanking mit komplexen Derivaten und Finanzkonstrukten verdient. Intern hieß die Geldmaschinerie, die Josef Ackermann erstmals 2006 eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent bescherte, ehrfurchtsvoll „Anshu’s Army“. Deren damaliger Chef war eben Anshu Jain, der nun als einer von zwei Führungskräften den Kulturwandel managen soll. Wie war das mit dem Bock und dem Gärtner?

Ein guter Willen soll dem Führungsduo indes nicht gänzlich abgesprochen werden. Eine Milliarde Euro investiert die Deutsche Bank in die Vergangenheitsbewältigung. Ein neuer Wertekanon soll etabliert werden, Führungskräfte pauken Kundenorientierung und nachhaltige Leistungsprinzipien. Selbst Boni richten sich inzwischen nicht nur an Gewinn-Kriterien, sondern auch an der Kundenzufriedenheit. So viel Wille zum Wandel war nie bei der Deutschen Bank.

Doch wird dies genügen? Zweifel bleiben, solange das Vertrauen fehlt. Einmal zerstört, kann es nur sehr langsam wieder aufgebaut werden. An dem Vertrauensverlust wird die Deutsche Bank noch lange zu leiden haben.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © op-online.de

Kommentare