Wohnen wird zum Luxus

Kommentar: Mit Steuern aussteuern

Immobilien in Deutschland sind so gefragt wie selten zuvor. Wohnungen im Wert von mindestens zehn Milliarden Euro dürften 2012 den Besitzer gewechselt haben, hat die Beratungsgesellschaft CBRE ermittelt. Von Frank Pröse

Treiber der Entwicklung sind demnach große Investoren, die riesige Wohnimmobilienpakete aufkaufen. Wohnen verspricht eben mehr Rendite als Gewerbe. Büro- und Einzelhandelsflächen sind nur schwerer zu vermarkten, Wohneigentum dagegen gilt als sicheres Investment und Schutz gegen Inflation, denn Wohnungen sind knapp, vor allem in den Ballungsgebieten.

Wohnungsnot im Rhein-Main-Gebiet

Dieser auch der Euro-Krise geschuldete Paradigmenwechsel am Immobilienmarkt führt zusammen mit dem massiven Zuzug in die Ballungsräume zu stark steigenden Mieten, die zunehmend sogar dem Mittelstand Sorgen bereiten. Im Rhein-Main-Gebiet kann man ohne Übertreibung von einer Wohnungsnot sprechen. Diese Entwicklung hat vor allem politische Ursachen. Da wäre zunächst einmal der sukzessive Rückzug aus dem Sozialwohnungsbau zu nennen, den die Kommunen schon vor dem von CDU und FDP beschlossenen Wegfall der Fehlbelegungsabgabe für besser verdienende Mieter angetreten haben, die ja für öffentlich unterstütztes Bauen genutzt wurde. Die hessische Landesregierung hat zwar inzwischen eine alternative Wohnraumförderung beschlossen, doch scheint die der Wohnungswirtschaft etwas zu mickrig ausgefallen zu sein.

Die nahezu flächendeckende Erhöhung der Grund- und Grunderwerbssteuer, der Wegfall der Eigenheimzulage, die steuerliche Schlechterstellung von Verlusten aus Vermietung und Verpachtung sowie miesere Abschreibungsmöglichkeiten halten Bauwillige vom Bauen ab. Vor allem bei den Privaten haben die steuerlichen Änderungen vergangener Jahre zu einer Verweigerungshaltung geführt. Genau hier muss der Hebel gegen immer höhere Mietpreise angesetzt werden, nicht bei einer staatlichen Deckelung, wie sie beispielsweise SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück fordert. Wer massiv Wohnungen bauen will, muss vor allem die Privaten zum Investieren animieren, denn mit ihnen lässt sich ein größeres Rad drehen als mit den Gewerblichen, den oben genannten Abermilliarden zum Trotz. Der Hebel liegt im Steuerrecht.

Quelle: op-online.de

Kommentare