Wort des Jahres

Kommentar: Verdientermaßen unbekannt

Das Wort des Jahres 2010 kommt daher wie die Fans des VfR Aalen auf der OFC-Gästetribüne: Man weiß, dass es ein paar gibt, aber Freude oder gar Angst und Schrecken verbreiten sie nicht eben. Hurra, hurra - die Wutbürger sind da! Von Ralf Enders

Ein Begriff, den die Juroren der Gesellschaft für deutsche Sprache kennen, aber nicht die Menschen. Und somit eine schlechte Wahl. Da haben die Sprachpfleger mehr in Polit-Talkshows geschaut als dem Volk aufs Maul.

Geschaffen wurde der Begriff von Dirk Kurbjuweit. In einem Essay am 11. Oktober schrieb der „Spiegel“-Autor, der Wutbürger sei „konservativ, wohlhabend und nicht mehr jung (...) Er zeigt sich bei Veranstaltungen mit Thilo Sarrazin und bei Demonstrationen gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21.“ Das ist gut beobachtet, aber außerhalb des Bildungs(wut)bürgertums von wenig Interesse.

Und so mögen die von anderen Medien gerne aufgegriffenen Wutbürger als prägendes Wort für ein wichtiges Thema ja noch durchgehen - wenn man die Proteste gegen Stuttgart 21 und die Castor-Transporte als gesamtgesellschaftliches Phänomen sieht. Als Wort des Jahres taugen sie dagegen wenig, auch wegen der sperrigen Konsonantenfolge t und b. Ein Kunstwort, und so klingt‘s auch.

Schade um das enthüllend enthüllte Wikileaks oder die weltmeisterlich nervenden Vuvuzelas.

Übrigens: Für „Wutbürger“ gab‘s am Freitagmittag schlappe 28.000 Google-Einträge - nach der Bekanntgabe; 84,2 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage auf op-online.de kreuzten, nach dem Begriff gefragt, „Nein, ist mir noch nicht aufgefallen“ an. Und die gleichnamige Internetseite führt zu einer Bürgerinitiative, die sich für einen innerstädtischen Platz im thüringischen Jena einsetzt. Da gehört‘s hin.

Quelle: op-online.de

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