Wulff-Prozess

Kommentar: Eine Posse, kein Prozess

Gewiss: Es geht um Vorteilsannahme im Amt und somit um nicht weniger als die politische Hygiene. Da ist es zweitrangig, ob 720 oder 720.000 Euro im Raum stehen. Dennoch ist im Prozess gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff die Grenze der Peinlichkeit erreicht. Für die deutsche Justiz, nicht für Wulff. Von Ralf Enders

Würde sie nur einen Bruchteil der Energie, die die übermotivierten Staatsanwälte in den Wulff-Prozess stecken, für Korruptionsvorwürfe mit Substanz aufwenden - der politischen Hygiene wäre besser gedient. Und so wirkt nicht nur Schauspielerin Maria Furtwängler reichlich genervt von der aus den Fugen geratenen Anklage: „Was kann meine Aussage eigentlich zur Klärung beitragen?“

Ja, wer oder was kann eigentlich zur Klärung beitragen? Hotel-Mitarbeiter, Bodyguards, Fahrer, Babysitter oder die Clique der großkopferten Tischnachbarn im Käfer-Zelt? Sie alle wurden befragt, ihre Erinnerungen ans Oktoberfest vor mehr als fünf Jahren halten sich in Grenzen. Man hat halt gegessen, getrunken, und irgendwer hat bezahlt. Können wir uns erinnern, mit wem wir beim Straßenfest 2008 über was geredet haben? Und das bisschen, das die Zeugen zu berichten hatten, stützt Wulff eher. Ansonsten geht’s um Hubert Burdas Vorliebe für Schweinswürschtl mit Kraut, Wulffs Nippen am Bierhumpen und die Bezahlung des Babysitters...

Der Richter hat gestern für den 19. Dezember eher überraschend ein „Zwischenfazit“ angekündigt. Gut möglich, dass er dann mit der Einstellung des Verfahrens dieser Posse ein Ende bereitet.

Quelle: op-online.de

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