Kampf um Rom

Kommentar: Zwei Jahre Papst Franziskus

Wofür steht er denn nun, dieser Franziskus? Zwei Jahre nach seiner überraschenden Wahl gibt der Papst aus Argentinien mehr Rätsel auf denn je. Von Claudia Möllers

Einerseits begeistert der 78-Jährige immer noch wegen seiner Bodenständigkeit, seiner Offenheit, seiner kompromisslosen Zuwendung zu Armen und Verfolgten. Dass er die Kleriker zu Demut und Bescheidenheit auffordert, macht ihn beim Kirchenvolk beliebt. Ebenso wie sein Vorstoß, über die Sexualmoral der Kirche offen zu diskutieren und die Kurie zu reformieren.

Gleichzeitig haben ihm seine Reformschritte mächtige Gegner beschert in Kreisen der Kurie. Der Präfekt der Glaubenskongregation, der deutsche Kardinal Gerhard Müller, hat schon mehrfach deutlich gemacht, dass er strikt gegen Liberalisierungen etwa im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen ist. Zu allem Überfluss hat Franziskus in letzter Zeit für negative Schlagzeilen gesorgt, weil er flapsig über Empfängnisverhütung gesprochen und Eheleuten empfohlen hat, sich nicht wie die Karnickel zu vermehren. Auch die Äußerung über „das würdevolle Schlagen“ in der Erziehung hat Irritationen ausgelöst. Mit solch unbedachten Sätzen hat Franziskus leider auch seinen ernsthaften und dringend notwendigen Modernisierungsbemühungen geschadet. Denn er hat seinen Gegnern unfreiwillig in die Hände gespielt.

Diejenigen in der Kurie, denen Ungemach droht durch den strukturellen Umbau, streuen längst ihre Gerüchte. Sie stellen die theologische Kompetenz des Papstes in Frage. Das ist eine gefährliche Situation. Franziskus will die Kirche verwandeln, strukturell und seelsorglich. Er will ein menschlicher Papst sein. Dieses Herabsteigen vom Thron hat ihn aber auch angreifbar gemacht. Spätestens im Herbst, bei der zweiten Runde der Familiensynode, muss Franziskus zeigen, wie er den Spagat schaffen will zwischen menschlicher Zuwendung und kirchlicher Lehre. Bis dahin sollte er einen großen Bogen um Fettnäpfchen machen.

Quelle: op-online.de

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