Gaddafi ist Tod

Was kommt jetzt?

Gaddafi ist Geschichte. Endlich. Auch wenn damit der Krieg in Libyen kaum enden wird: Die Chancen für einen Neuanfang wachsen. Vorausgesetzt, der Übergangsrat kann die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen. Von Werner Menner

Wer aus den Entwicklungen in Tunesien und Ägypten gelernt hat, wird sich freilich vor allzu großen Hoffnungen hüten.

Es passt zu Gaddafi, der den Starken markiert, sein Volk geknechtet, dem Terror gehuldigt und seine Karriere mit Leichen gepflastert hat, dass er letztlich wie ein windiger kleiner Ganove aus Angst vor den Konsequenzen sein Heil in der Flucht gesucht hat. Und dabei ums Leben kam. Die selbsternannte Revolutionsführer, der als Märtyrer in die Annalen eingehen wollte, hat sich selbst demaskiert.

So mancher westlichen Regierung dürfte sein Tod nicht ungelegen kommen: Gaddafi vor einem internationalen Tribunal, das hätte viele spannende Fragen, aber wohl auch viele für die Europäer und die USA wenig schmeichelhafte Antworten und Enthüllungen bedeutet.

Und nun? Die Libyer sind ihren Peiniger los. Ihn, aber nicht sein Erbe, seine Ideologie und seine vielen Anhänger. Der Übergangsrat verfügt weder über einen charismatischen Frontmann, noch zeichnet er sich durch Geschlossenheit aus. Das Ziel, Gaddafis Herrschaft zu brechen, war der Knoten, der einen von Stammesdenken und persönlichen Motiven geprägten Haufen zusammengehalten hat. Gaddafis Tod hat diesen Knoten gesprengt. Wohin Libyen nun driftet, dürfte sich rasch abzeichnen.

Quelle: op-online.de

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