Hinrichtungsgift-Boykott

Kommentar: Kompass der Werte stimmt

Natrium-Thiopental ist einer von drei Bestandteilen des Giftcocktails, der für Hinrichtungen in den USA verwendet wird. Dabei wird zunächst das Narkosemittel Natrium-Thiopental verabreicht, um den Todeskandidaten bewusstlos zu machen. Von Siegfried J. Michel

Zwei danach verwendete Substanzen führen zur Lähmung und schließlich zum Herzstillstand. Da es in den USA nun Nachschubprobleme beim Natrium-Thiopental gibt, suchen die Amerikaner Lieferanten in anderen Ländern, um die Tötungen der verurteilten Menschen vollziehen zu können.

Rasch und richtig hat Gesundheitsminister Rösler reagiert, als er den Arzneimittel-Großhandel im Land unter Verweis auf die deutsche Grundsatzentscheidung gegen die Todesstrafe schriftlich aufforderte, mögliche derartige Lieferanfragen aus den USA abzulehnen. Erfreulich auch die Reaktion der Pharmaindustrie, die jetzt zugesichert hat, sie werde diesem Boykott-Aufruf folgen. Zu hoffen ist, dass sich auch wirklich alle Hersteller des eigentlich ja für Narkosen - also einen guten Zweck - gedachten Natrium-Thiopentals daran halten.

Kein Land auf dieser Welt, das sich selbst zivilisiert nennt, sollte als Mittel zur Ahndung von Verbrechen auf die Todesstrafe zurückgreifen, denn sie ist barbarisch.

„Du sollst nicht töten“ heißt es in den Zehn Geboten - auch Staaten und ihre Justizsysteme sollten sich danach bei der Verurteilung von Schwerverbrechern richten. Ja, Täter, die beispielsweise gemordet haben, gehören hart bestraft. Aber nicht in der Art, dass Richter sich zu Herren über Leben und Tod aufschwingen dürfen.

Aus gutem Grund haben die Gründerväter dieser Republik mit Blick auf die unglückselige und dunkle Geschichte Nazi-Deutschlands die Todesstrafe im Jahr 1949 abgeschafft. Insbesondere vor diesem historischen Hintergrund wäre es mehr als nur verwerflich, wenn deutsche Pharmafirmen sich zu Handlangern für die Hinrichtung von Todeskandidaten in den USA oder anderswo machen würden.

Quelle: op-online.de

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