Hunderte verletzt

Krawalle bei Trauerfeier in Beirut

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Ausschreitungen in Beirut

Beirut - Am Rande der Trauerfeier für die Opfer des verheerenden Bombenanschlags im Libanon haben am Sonntag Hunderte Demonstranten versucht, den Regierungssitz in der Beiruter Innenstadt zu stürmen.

Trauerfeier in Beirut endet mit Krawallen - Tausende bei Trauerfeier für Geheimdienstchef - Sturm auf Regierungssitz - Syrien in Verdacht - Bisher keine Waffenruhe in Syrien -- Von Bassem Mroue -- Beirut (dapd). Der Bürgerkrieg in Syrien droht immer mehr zum Flächenbrand zu werden: Im Libanon ist es nach dem Attentat auf den syrienkritischen Geheimdienstchef des Landes zu massiven Ausschreitungen gekommen. Aufgebrachte Demonstranten versuchten den Sitz des Ministerpräsidenten zu stürmen, Soldaten trieben die Menge mit Tränengas und Warnschüssen auseinander. Viele Libanesen beschuldigten das Regime von Präsident Baschar Assad hinter dem Attentat vom Freitag zu stecken. Dieser traf sich am Sonntag mit dem UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi in Damaskus. Die Gespräche wurden von blutigen Anschlägen und Kämpfen überschattet - die von Brahimi angestrebte Waffenruhe ist noch nicht in Sicht.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich angesichts der jüngsten Entwicklungen in Syrien und im Libanon „sehr besorgt über die wachsende Gefahr eines Flächenbrandes in der Region“. Es müsse alles getan werden, damit der syrische Bürgerkrieg nicht auf den Libanon übergreife, erklärte ein Sprecher des Außenministers am Sonntag in Berlin. Zudem sprach er Brahimi seine Unterstützung aus und nannte die Gespräche eine wichtige Chance.

Nach Trauerfeier Sturm auf Regierungssitz

In Beirut gaben am Sonntag Tausende Libanesen dem bei einem Bombenanschlag getöteten Geheimdienstchef Wissam al Hassan das letzte Geleit. Sie strömten zur Beisetzung auf dem Märtyrerplatz zusammen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren enorm, der Platz wurde für Fahrzeuge gesperrt, die Menschen vor der Trauerfeier durchsucht. Zudem errichtete die Polizei zahlreiche Straßensperren.

Die Trauernden schwenkten libanesische Flaggen und beschuldigten Syrien hinter dem Anschlag vom Freitag zu stecken. Neben Al Hassan waren dem Attentat sieben weitere Menschen zum Opfer gefallen. Seine letzte Ruhestätte sollte Al Hassan neben dem ehemaligen Ministerpräsidenten Rafik Hariri finden, der im Jahr 2005 gleichfalls mit einer Bombe getötet wurde.

Doch dann schlug die Trauer in Wut um. Tausende Demonstranten zogen in Richtung Serail, dem Amtssitz von Ministerpräsident Nadschib Mikati. Einigen Hundert gelang es, Polizeiketten zu durchbrechen und fast bis zum Eingang vorzudringen. Soldaten schossen in die Luft und setzten Tränengas ein, um die Erstürmung verhindern. Auf TV-Bildern waren verletzte Zivilisten zu sehen.

Die Demonstranten warfen der Regierung von Ministerpräsident Mikati vor, zu enge Verbindungen zum Regime von Präsident Assad zu unterhalten. Immer häufiger und militanter wurde deshalb während des gesamten Wochenendes der Rücktritt der Mikati-Regierung gefordert. Der Libanon stand in den vergangenen 30 Jahren zumeist unter Syriens politischem und militärischem Einfluss.

Al Hassan, ein scharfer Gegner Syriens, hatte Ermittlungen gegen den früheren Informationsminister Michel Samaha geleitet, einen der engsten Verbündeten Damaskus' im Libanon. Samaha war am 9. August verhaftet worden und wurde wegen der Planung von Terroranschlägen angeklagt. Neben ihm wurde auch der syrische Geheimdienstchef Ali Mamluk in Abwesenheit angeklagt.

Die libanesische Regierung hatte zuvor Syrien öffentlich verdächtigt. Der Angriff vom Freitag stehe in Zusammenhang mit den jüngsten Ermittlungen al Hassans, sagte Ministerpräsident Mikati nach einer Sondersitzung seines Kabinetts. Für Samstag hatte die Regierung einen Tag der Staatstrauer ausgerufen, bei dem es in zahlreichen Orten zu gewalttätigen Protesten und Krawallen gekommen war. Der Aufruhr nährte die Sorge, dass der Libanon wieder in Gewalt, Chaos und Konfessionskämpfe kippen könnte. Die Autobombe bei dem Anschlag auf al Hassan war im von Christen bewohnten Viertel Achrafieh gezündet worden und hatte Dutzende Menschen verletzt, darunter auch Kinder.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte am Sonntag, es sei eine Rolle Syriens bei dem Anschlag zu vermuten. Alles deute darauf hin, „dass es eine Ausweitung der syrischen Tragödie ist“, betonte er im Rundfunksender Europe-1. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon schaltete sich ebenfalls ein. Im Telefonat mit dem libanesischen Präsidenten Suleiman unterstrich er die Souveränität des Landes und wie wichtig es sei, dass das Land Distanz übe zu den Ereignissen in der Region, teilte ein UN-Sprecher mit.

Noch keine Vereinbarung über Waffenruhe

Bei dem sonntäglichen Treffen des Syrien-Sondergesandten von UN und arabischer Liga, Brahimi, in Damaskus mit Präsident Baschar Assad war der Plan einer Waffenruhe während des am kommenden Freitag beginnenden islamischen Opferfests Thema. Oppositionsgruppen hätten ihm diesbezüglich Unterstützung, aber keine festen Zusagen, gegeben, sagte Brahimi nach der Unterredung. Zu einer Reaktion Assads ließ Brahimi nichts verlauten. Die syrische amtliche Nachrichtenagentur SANA meldete aber, Assad habe Brahimi versichert, er unterstütze seine Bemühungen.

Assad habe gesagt, „er sei offen für alle ernsthaften Anstrengungen, eine politische Lösung für die Krise zu finden“ - auf der Grundlage, „dass die syrische Souveränität respektiert und eine ausländische Einmischung abgelehnt werde“. Zuvor hatte das Regime den Plänen wenig Chancen gegeben, da es keine einheitliche und zuverlässige Rebellenführung gebe, mit der die Waffenruhe besiegelt werden könne.

Die Friedensbemühungen des UN-Sondergesandten wurden am Sonntag von einem Bombenanschlag mit mindestens 13 Toten Damaskus überschattet, am Samstag waren bei schweren Gefechten über 60 Menschen umgekommen.

dapd

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