Zur Sache: Guttenberg

Kritik an Inhalten

Ungeachtet der anhaltenden Kritik an der Plagiats-Affäre will sich Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit ganzer Kraft der Bundeswehrreform widmen. Wenn man ihn denn lässt! Es mehren sich nämlich Anzeichen, dass die Regierungskoalition an einer Taktik bastelt, wie sie den auch aus den eigenen Reihen immer mehr unter Beschuss geratenen Minister entfernt, ohne allzu großen Flurschaden anzurichten. Denn wer zu Guttenberg allein wegen fehlender Fußnoten glaubt stürzen zu können, der bringt - im Moment jedenfalls - Volkes Stimme gegen sich auf; in Wahlkampfzeiten eine Katastrophe. Von Frank Pröse

Wenn jetzt aber ausgerechnet aus dem Kanzleramt Zweifel an den Bundeswehr-Reformplänen des Ministers genährt werden, dann entbehrt das nicht einer gewissen taktischen Logik. Kann sich die Koalition einer von „Bild“ organisierten Sympathiewelle für den Minister schon nicht erwehren, so lässt sich dem guten Mann vielleicht doch noch inhaltlich am Zeug flicken.

Die Einschätzung des Kanzleramts, die von zu Guttenberg vorgelegten Eckpunkte seien eine „nur sehr rudimentäre und unausgewogene Grundlage für Entscheidungen zur Reform der Bundeswehr“ lässt jedenfalls aufhorchen. In der Tat weiß keiner in den beteiligten Ministerien so recht, wohin die Reise gehen soll, nachdem die Wehrpflicht im Schweinsgalopp abgeschafft wurde. Doch solange zu Guttenberg nicht waidwund geschossen war, wagte sich keiner aus der Deckung. Auf einmal lässt die Kanzlerin ihre Experten los. Wenn das nicht mal wieder der Vorbereitung einer Top-Personalie dient. Angela Merkel bliebe sich in diesem Fall nur treu.

@ frank.proese@op-online.de

Quelle: op-online.de

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