Sonder-Ausstrahlung im ZDF

„Maybrit Illner“ zu Hanau: Anwärter auf CDU-Vorsitz zieht bitteres Fazit - und nennt „Quelle des Hasses“

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In einer Sonderausgabe von „Maybrit Illner“ diskutierte die TV-Journalistin mit ihren Gästen über die Vorfälle in Hanau.

Der aller Voraussicht nach rechtsradikal motivierte Anschlag in Hanau hat die Bundesrepublik erschüttert. Als Reaktion spricht Maybrit Illner in einer Spezialausgabe über rechten Terror in Deutschland.

  • Am Donnerstagabend um 22.35 Uhr sendet das ZDF eine Spezialausgabe von „Maybrit Illner
  • Die Ausgabe ist eine Reaktion auf das Blutbad von Hanau
  • Thema der Sendung: „Anschlag in Hanau: Rechter Terror außer Kontrolle?

Update um 23.31 Uhr:  Illner fragt Armin Laschet direkt, ob Rechtsextremismus die größte Bedrohung für unsere Gesellschaft sei. Der CDU-Mann antwortet direkt:  „Ja das ist heute so“, und meint, dass es verschiedene Zeiten in der Geschichte der BRD gegeben habe. In den 70er Jahren sei es der Linksextremismus gewesen. Aber nun sei dies anders. „Der Feind steht rechts“, zitiert er den ehemaligen Reichskanzler Joseph Wirth, der diese Worte im Jahr 1922 gesagt hatte.

Das sei auch heute so, meint Laschet. „Das heißt nicht, dass man an anderen Ecken nicht auch diskutieren kann. Aber die größte Bedrohung ist derzeit der Rechtsextremismus, er ist es für die Gesellschaft und für das Land. Und wenn es nicht Terrorismus ist, so ist es die Bedrohung, dass sie sogar in die Institutionen, in die Parlamente hineinkommen, mit Parteien, die das nicht so radikal vertreten, aber die genau diese Saat säen.“ 

Dann richtet er das Wort an die Journalistin Kübra Gümüşa, die zuvor über Rassismus im Alltag in Deutschland gesprochen hatte. Laschet sieht es anders: Diese Sprache habe es immer schon gegeben, sie sei nicht zu befürworten, aber „Sie ist nicht die Quelle“, so Laschet.

Der CDU-Mann erklärt dagegen: „Die Quelle ist, dass im demokratischen Diskurs, am Rednerpult des Bundestages, Hass gesät wird und Bilder entstehen. Zum Beispiel dieses Bild: Angela Merkel volkt das deutsche Volk um“. Dazu meint Laschet: „Wenn das jemand glaubt, wenn man das jemandem einredet und der noch psychisch labil ist, dann glaubt er, da muss er etwas dagegen machen“. Solche Aussagen würden „harmlos dahergesagt“: „Der böse Gedanke ist das erste, dann spricht es einer aus und irgendein anderer, nicht der, der das sagt, setzt das dann um.“

Claudia Roth (Grüne) meint dazu: „Es fängt tatsächlich mit der Sprache an. Dem Angriff auf die Menschlichkeit folgt der Angriff auf die Menschen.“ 

Maybrit Illner zu Hanau-Anschlag: Roth mahnt „Vollzugsdefizit“ an

Update um 23.08 Uhr: Die große Frage nach dem Anschlag von Hanau ist wie man präventiv besser gegen mögliche Attentate vorgehen könnte. Dabei mahnt Claudia Roth mehrere Defizite an. Unter anderem fordert sie eine „Task Force Rechtsextremismus“ im Innenministerium. Auch um hier einen kompetenten Ansprechpartner für Menschen zu haben, die Angst haben und etwa auf potentiellen Todeslisten stehen. Zudem mahnt die Politikerin ein „Vollzugsdefizit“ der Sicherheitsbehörden an. Moderatorin Maybrit Illner schreitet erklärend ein und meint: Es gebe hunderte Haftbefehle, die nicht vollstreckt werden können, da man die entsprechenden Personen nicht findet.

Update um 23.02 Uhr: Linken-Politikerin Janine Wissler äußerte bei Maybrit Illner im ZDF am Mittwochabend konkrete Forderungen, wie in Deutschland nach den Hanauer Taten weiter vorgegangen werden soll. „Wir müssen über institutionellen Rassismus sprechen“, forderte sie. Außerdem müsse auch über das Klima gesprochen werden, indem solche Taten entstehen können. „Wir müssen Konsequenzen aus der Tat in Hanau ziehen - dass sind wir den Opfern in Hanau und auch den Opfern des NSU schuldig“, betonte sie weiter. Außerdem sprach Wissler eine deutliche Warnung aus: „Wir haben es in Hessen mit einer militanten Neonazi-Struktur zu tun und das schon lange“, sagte sie. 

„Maybritt Illner“ zu Hanau-Anschlag: Moderatorin stellt die Frage: „Wie oft noch?“

Update um 22.53 Uhr: In einer Sondersendung diskutiert TV-Journalistin Maybrit Illner am Donnerstagabend im ZDF mit ihren Gästen über den mutmaßlich rassistisch motivierten Anschlag in Hanau vom Vorabend. Teil der Runde sind unter anderem NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Grünen-Politikerin Claudia Roth und Linken-Politikerin Janine Wissler. „Im Juni saßen wir hier und sprachen über den Mord an Walter Lübcke, im Oktober sprachen wir über das Attentat von Halle “, eröffnete Illner die Sendung. Nun müssen wir erneut über eine rassistisch motivierte Tat sprechen, sagte sie weiter. Da stelle sich die Frage: Wie oft noch?

In einem Einspieler wird berichtet, dass seit 1990 in Deutschland mehr als 200 Menschen wegen ihrer Abstammung umgebracht worden seien. Deutschland hat ein Rassismus-Problem heißt es in dem Video weiter. Auf Illners Nachfrage räumte Laschet ein, dass seine Sorge, eine Tat wie in Hanau werde sich wiederholen, groß sei. „Wir müssen neue Mechanismen finden in der Polizei, Kräfte, die verstärkt das Internet beobachten“, forderte der Ministerpräsident.

Erstmeldung vom 20. Februar 2020, 16.50 Uhr: 

Berlin - Es waren schreckliche Szenen, die sich am späten Mittwochabend im hessischen Hanau abspielten. Ein 43-Jähriger Deutscher erschoss neun Menschen, sowie seine Mutter, neben der der mutmaßliche Täter ebenfalls tot aufgefunden wurde. 

Terror in Hanau: Täter zeigte „zutiefst rassistische Gesinnung“

Angaben des Generalbundesanwalts Peter Frank zufolge soll der Todesschütze von Hanau eine „zutiefst rassistische Gesinnung“ gehabt haben. Das habe die Auswertung von Videobotschaften ergeben. Auch ein von wirren Aussagen überzogenes Manifest des Mannes lässt auf eine rechtsradikale Motivation schließen. 

Damit hat rechtsextremer Terror in Deutschland erneut für Blutvergießen gesorgt - und das Phänomen ist nicht neu. Erst im Juli wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke mit einem Kopfschuss getötet, im Oktober starben zwei Menschen beim Anschlag auf eine Synagoge in Halle. In beiden Fällen handelten die Täter - wie nun aller Voraussicht nach auch in Hanau - mit rechtsradikalem Gedankengut. Der rechte Terror nimmt zu

Maybrit Illner: ZDF zeigt Sondersendung als Reaktion auf Attentat in Hanau

Die erschreckenden Entwicklungen sollen am Donnerstagabend auch Thema bei „Maybrit Illner“ sein. In einer Sonderausgabe spricht die Moderatorin über die Geschehnisse im Osten des Rhein-Main-Gebiets. Die Spezialausgabe „Anschlag in Hanau: Rechter Terror außer Kontrolle?“ wird ab 22.35 Uhr im ZDF ausgestrahlt, und nicht wie gewohnt um 22.15 Uhr. 

Das ZDF änderte am Donnerstag mehrmals sein Programm. Regulär hätte es keine Ausgabe des Polittalks gegeben, stattdessen war eine Karnevalssendung geplant. Aufgrund der Schießerei in Hanau habe sich der Mainzer Sender schließlich zur Sonderausgabe entschieden. Zuvor gab es Kritik an der Programmgestaltung des ZDF

Über das Thema sprechen werden am Abend unter anderem Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) sowie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Zuvor hatten sich bereits zahlreiche Politiker zu Wort gemeldet - darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Maybrit Illner (ZDF): Diese Gäste diskutieren über „Anschlag in Hanau: Rechter Terror außer Kontrolle?“

  • Claudia Roth (Grüne): Bundestags-Vizepräsidentin
  • Armin Laschet (CDU): Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen
  • Janine Wissler (Linke): Landtags-Fraktionsvorsitzende Hessen, war Mitglied im NSU-Untersuchungsausschuss des hessischen Landtages
  • Matthias Quent: Rechtsextremismus-Forscher, Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena 
  • Kübra Gümüşa: Journalistin, Autorin

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Gewalttat in einer Moschee mitten in London: Ein Mann sticht auf einen Muezzin ein. Um einen Terrorakt soll es sich nicht handeln. Nach dem Hanau-Anschlag wurde eine Schweigeminute bei einem Fußball-Spiel gestört. Das gesamte Stadion reagierte daraufhin eindeutig. Im ZDF-Talk mit Markus Lanz zu den Ereignissen in Hanau gibt indes ein Kriminalbeamter beunruhigende Einblicke.

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