Missbrauch und Kirche

Kommentar: Mehr Mut erforderlich

Für die katholische Kirche hat sich nichts geändert: Die Missbrauchsdebatte hat ein Grundvertrauen in ein Grundmisstrauen verwandelt. Der Skandal um sexuellen Missbrauch unter dem Dach der Kirche wird die deutschen Bischöfe also weiter verfolgen. Von Peter Schulte-Holtey

Ihre intensiven Bemühungen bei Aufklärung und Prävention sollten anerkannt werden. Verbreitete antikatholische Reflexe und die unablässigen verbalen Angriffe von Atheisten, die die Religionen aus der Öffentlichkeit verbannen wollen, dürfen jetzt nicht den Blick aufs Wesentliche, auf die Fortschritte im innerkirchlichen Ringen beim Weg in die Zukunft, verstellen.

Dabei darf die konstruktive Kritik der Gläubigen an den Kirchenoberen nicht verstummen. So wurden gestern zwar wieder einmal verschärfte Leitlinien - mit wichtigen und richtigen Ansätzen - vorgestellt, um künftig Übergriffe zu vermeiden. Doch leider gibt es wieder Unklarheiten: Wie will sich die katholische Kirche aus der Schuld herauskaufen? Welche strukturellen Konsequenzen werden gezogen?

Sicherlich türmen sich bei der Entschädigungsfrage viele Probleme auf: Per Pauschalsumme? Zwischen 5 000 und 10 000 Euro? Für welche Missbrauchsschwere wie viel Geld? Einfache Antworten gibt es darauf nicht. Doch die Kirchenleitung darf nicht länger ausweichen, sollte endlich überzeugend Stellung beziehen.

Vor allem müssen die Bischöfe ihren Willen zur Offenheit durch Handeln und mehr Mut beweisen. Die Kirche sollte intensiver mit sich selbst ins Gericht gehen, sich lautstärker für die Rolle entschuldigen, die ihre Hierarchie beim Schutz der Täter auf Kosten der Opfer gespielt hat. Solange die Institution nicht eindeutige strukturelle Konsequenzen zieht, zum Beispiel die Mitsprache von Laien in den Pfarrgemeinden stärkt, werden sich immer mehr Menschen von dieser Kirche abwenden.

Quelle: op-online.de

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