Merkel mahnt zur Mäßigung

Mohammed-Video: Proteste flammen wieder auf

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Auch in mehreren indonesischen Städten gingen am Montag wieder Menschen gegen das antimuslimische Video auf die Straße - wie hier in Jakarta.

Jakarta - Nach einem relativ ruhigen Wochenende sind die Proteste gegen ein islamfeindliches Schmähvideo am Montag in mehreren Ländern wieder aufgeflammt. In Pakistan starb eine Person bei Zusammenstößen.

In Pakistan kam bei Ausschreitungen nach Polizeiangaben mindestens ein Mensch ums Leben. In Indonesien griffen Demonstranten die US-Botschaft an, in Afghanistan kam es vor einem Stützpunkt der US-Streitkräfte zu Zusammenstößen zwischen wütenden Muslimen und der Polizei.

In Upper Dir im Nordwesten Pakistans setzten Demonstranten einen Presseclub in Brand. Offenbar seien sie über die aus ihrer Sicht unzureichende Berichterstattung über die Proteste erbost gewesen, sagte der Polizeibeamte Mukhtar Ahmad. Bewaffnete hätten zudem ein Regierungsgebäude angezündet und eine Polizeiwache umstellt. Bei einem Schusswechsel vor der Wache seien ein Demonstrant getötet und mehrere weitere verletzt worden, sagte der Polizist Akhtar Hayat.

In der afghanischen Hauptstadt Kabul protestierten Hunderte Menschen vor dem Camp Phoenix gegen den in den USA produzierten Film „Innocence of Muslims“ (Unschuld der Muslime). Sie setzten Container und Reifen in Brand und schleuderten Steine auf die Polizei. Mehr als 20 Beamte seien dabei leicht verletzt worden, sagte General Fahim Kaim. Mindestens ein Polizeifahrzeug sei in Flammen aufgegangen, bevor die Demonstration gegen Mittag aufgelöst wurde, sagte der stellvertretende Polizeichef der Provinz Kabul, Daud Amin.

Sudan: Demonstranten zünden deutsche Botschaft an

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„Tod für Amerika“ und „Tod für jene, die den Film gemacht und unseren Propheten beleidigt haben“, skandierte die Menge. Die Polizei habe in die Luft gefeuert, um eine Gruppe von rund 800 Demonstranten davon abzuhalten, vor Regierungsgebäude in der Innenstadt zu ziehen, sagte ein Beamter.

Im Südosten Kabuls versammelten sich rund 50 Demonstranten vor einer Moschee, der Protest blieb nach Polizeiangaben allerdings friedlich. „Menschen auf der ganzen Welt sind wütend“, sagte der Demonstrant Mohammad Humajun. „Es liegt in der Verantwortung aller Muslime, zu reagieren, wenn sie Respektlosigkeiten hören.“ In dem Film wird der Prophet Mohammed als Betrüger, Geisteskranker und Frauenheld dargestellt.

Demonstranten in Jakarta greifen US-Botschaft an

Auch in mehreren indonesischen Städten gingen am Montag wieder Menschen gegen das antimuslimische Video auf die Straße. In der Hauptstadt Jakarta schleuderten Demonstranten Steine und Brandsätze auf die US-Botschaft und entzündeten Reifen vor dem Gebäude. Mindestens ein Polizist wurde bei den Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften verletzt. Die Demonstranten forderten ein juristisches Vorgehen gegen die für den Film Verantwortlichen. „Wir werden die Proteste fortsetzen, bis die US-Regierung angemessene rechtliche Schritte gegen sie einleitet“, sagte der Sprecher der Front der Verteidiger des Islams, Munarman.

Weitere Demonstrationen in den Städten Medan und Bandung verliefen hingegen zunächst friedlich. Bereits am Wochenende hatten in der Stadt Solo auf Java Demonstranten mehrere Filialen von Schnellrestaurants gestürmt, die daraufhin geschlossen wurden.

In Pakistan protestierten in der Ortschaft Chaman im Südwesten des Landes am Montag rund 3.000 Schüler und Lehrer gegen den Film. Die Demonstranten hätten eine amerikanische Flagge und eine Puppe von US-Präsident Barack Obama in Brand gesteckt, teilte die Polizei mit. Seine Lehrer hätten ihm gesagt, der Film sei von den USA und Israel produziert worden, sagte der zwölfjährige Schüler Abdul Waris. Sie hätten den Unterricht ausfallen lassen und die Kinder aufgefordert, sich an den Protesten zu beteiligen.

Merkel: „Gewalt ist kein Mittel der Auseinandersetzung“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat im Streit um das islamfeindliche Video alle Seiten zu Mäßigung gemahnt. Unabdingbar ist für die Kanzlerin der Schutz der deutschen Botschaften.

„Gewalt ist kein Mittel der Auseinandersetzung“, sagte Merkel am Montag in Berlin. „Wir treten ein für ein friedliches Zusammenleben der Religionen.“ Dies gelte für Deutschland, aber auch weltweit.

Zugleich machte Merkel deutlich, dass der Schutz der deutschen Botschaften „unabdingbar“ sei. Wegen des Videos war am Freitag die deutsche Botschaft im Sudan das Ziel von wütenden Protesten.

dapd/dpa

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