Die ergrünte Union

Kommentar: Merkels CDU, ein Plagiat

Wahlen verlieren CDU und CSU reihenweise, aber nicht ihren Humor. Wo sonst als in der Rubrik „Komik“ sollte man den Satz des Unions-Fraktionschefs Volker Kauder ablegen, CDU und CSU wären „als Volkspartei erledigt“, wenn „wir beginnen würden, den Grünen hinterherzulaufen“? Selten so gelacht. Von Georg Anastasiadis

Ob als Klima-Kanzlerin, als Anti-Sarrazin-Kanzlerin oder jetzt als Atom-Ausstiegs-Kanzlerin – nie hat Angela Merkel etwas anderes getan, als mitsamt ihrer Partei (und ihrem wendigen CSU-Kompagnon Seehofer) den Grünen hinterherzuhecheln. Bis zur Peinlichkeit hat die CDU-Chefin am Profil ihrer Partei geschliffen, um windschnittig im Zeitgeist surfen zu können. Die Union gleicht heute einem Plagiat, das an Schamlosigkeit die Dissertation des Doktors zu Guttenberg weit übertrifft.

In die Wahl zogen die Kanzlerin und ihre liberalen Hilfstruppen noch mit dem vollmundigen Versprechen, den Arbeitnehmern mehr Brutto vom Netto zu lassen. Danach war plötzlich alles andere vordringlicher: die Entlastung der Hoteliers. Die Banken-Rettung, die die Regierung Euro-Rettung nennt. Die Energiewende, die Merkel und Seehofer gleich in den Rang einer Ersatzreligion hoben, um Kritiker wie Gotteslästerer zum Schweigen bringen zu können. Und, natürlich, die „alternativlose“ Rettung der Pleiteländer; fehlt nur noch, dass die Kanzlerin ihren Regierungsauftrag, der Einfachheit halber, gleich ganz an EU-Kommission und IWF abtritt. Ihr griechischer Kollege Papandreou macht es ja gerade vor.

Spätestens seit der schweren Havarie in Bremen können auch die Geschmeidigsten unter Merkels Büchsenspannern nicht mehr leugnen, dass ihr die Wähler scharenweise davonlaufen. Nicht alle wählen statt Merkels Plagiat das grüne Original. Manche gehen in die innere Emigration.

Quelle: op-online.de

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