Kommentar: Feurige Schatten

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Peter Schulte-Holtey

Beim Thema Rauchen hört die gute Nachbarschaft in vielen Mietshäusern auf. Ein Richter verstärkt jetzt noch den Zwist, deutet an, dass Starkraucher als Mieter schlechte Karten haben. Von Peter Schulte-Holtey

Auf viele Nachbarschaftsverhältnisse wird die Gerichstentscheidung einen Schatten werfen. Doch Passivraucher-Mieter sollten sich jetzt nicht zu sehr freuen. Es ist nur ein weiterer kleiner juristischer Schritt, der die Kreise von Rauchern beschneidet. Mehr nicht. Und das ist auch gut so. Denn am Grundsatz „Mieter dürfen sich in ihrer Wohnung grundsätzlich frei entfalten“ sollte auf keinen Fall gerüttelt werden.

Natürlich findet die Freiheit des Mieters ihre Grenzen da, wo sie die Rechte anderer einschränkt. Bei Reibereien sollte aber zuerst das Gespräch gesucht werden. Wer Glück hat, schafft es vielleicht, zum Beispiel bestimmte Zeiten zu vereinbaren, in denen der Nachbar seinen Balkon zum Rauchen nutzt. Dann bekommt der Nichtraucher in der Wohnung nebenan die Möglichkeit, seine Fenster zu diesen Zeiten geschlossen zu halten. Zug um Zug kann der Druck erhöht werden, wenn es mit dem Kompromiss nicht klappt. Auch ein Gespräch mit dem Vermieter ist bestimmt lohnenswert.

Übrigens: Bevor wütend doch noch der Rechtsweg eingeschlagen wird, sollte man sich an einen weisen Spruch erinnern, der oft von Anwälten zu hören ist: „Nachbarn sind wirklich schrecklich; weil sie uns vor Augen führen, dass wir gar nicht so tolerant sind, wie wir es gerne wären!“

Quelle: op-online.de

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