Freiwilliger Zivildienst?

Kommentar: Ministerin auf dem Holzweg

Klar ist, dass der Zivildienst in seiner jetzigen Form wegfallen würde, wenn sich die Reformpläne von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg durchsetzen. Dann soll eine verkleinerte Bundeswehr nur noch freiwillige Rekruten einziehen. Von Peter Schulte-Holtey

Damit müsste sich auch der Ersatzdienst stark verändern; es gäbe auch für die jährlich 90.000 Zivildienstleistenden keine Grundlage mehr. Manche schlagen jetzt schon Alarm. So warnte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bereits vor einer Kostenexplosion der Sozialfürsorge. Kritiker des Zivildienstes, etwa die Zentralstelle der Kriegsdienstverweigerer, sehen das völlig anders. Der Verzicht auf die Zwangs-Zivis sei „ohne soziale Katastrophen“ zu bewältigen. Skepsis bei Familienministerin Kristina Schröder. Sie will die Lücke mit Hilfe eines freiwilligen Zivildienstes kompensieren.

Eine entscheidende Frage hat die Ministerin bislang aber noch nicht überzeugend beantwortet: Welchen Sinn macht es, neben den bereits bestehenden Freiwilligenstrukturen einen staatlichen Zivildienst-Apparat auszubauen? Die Begründung, für den theoretischen Fall eines Wiederinkraftsetzens der Wehrpflicht vorbereitet zu sein, kann nicht überzeugen. Warum sollen dem Bundesamt für Zivildienst neue Aufgaben zugewiesen werden, die bisher von unabhängigen Sozialverbänden wahrgenommen wurden? Doppelstrukturen bedeuten nur neue Bürokratie, das sollte unbedingt vermieden werden.

Branche muss mit attraktiveren Löhnen werben

Nein, der freiwillige Zivildienst ist ein untauglicher Rettungsversuch. Frau Schröder sollte sich eher darauf konzentrieren, eine konkrete politische Vision zur Ausgestaltung des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) zu entwickeln. Eine Kultur der selbstverständlichen Freiwilligkeit muss wesentlich intensiver gefördert werden.

Und die Probleme des unter riesigen Lasten ächzenden Gesundheits- und Pflegesystems, das ein Mehr an Personalkosten durch den Abschied vom Zivildienst verkraften muss, müssen gelöst werden. Unterm Strich wird die Branche, die sich jahrelang auf Billigkräfte/Zivildienstleistende gestützt hat, neue Wege gehen - vor allem wird sie mit attraktiveren Löhnen für Fachkräfte um Nachwuchs werben müssen.

Quelle: op-online.de

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