CSU-Parteitag

Kommentar: Mitmachen als Problem

Prima: Die CSU ist jetzt eine schicke Mitmachpartei. Frauen, die junge Internet-Gemeinde, ganze Kreisverbände, sie alle sollen künftig mitmachen. Leider gibt es da ein klitzekleines Problem: Von Georg Anastasiadis

Mitmachen dürfen sie künftig nur noch beim Abfassen von Oppositionspapieren, wenn die CSU ihren dramatischen Wählerschwund nicht umgehend stoppt. Ein bisschen war es gestern beim Parteitag wie auf der Titanic: Drinnen hat Parteichef Seehofer die große alte Dame CSU noch einmal in ein buntes Ballkleid gepresst, während draußen schon die Rettungsboote zu Wasser gelassen wurden.

Die Lage der Strauß-Stoiber-Partei ist mit dem Begriff „prekär“ noch zurückhaltend beschrieben; treffender wäre die Zustandsbezeichnung „dramatisch“. In Berlin droht nur demokratische Normalität, nämlich der (zeitweise) Abschied von der Macht, doch in Bayern steht mehr auf dem Spiel: Ein möglicher Gang in die Opposition würde die CSU nicht nur ihrer Apparate in der Staatskanzlei sowie in den Berliner und Brüsseler Landesvertretungen berauben. Es wäre das Ende der CSU als eigenständige Partei und der Beginn eines Kümmerdaseins als 16. CDU-Landesverband.

Mit allerlei Strukturkosmetik und mehr innerparteilicher Mitsprache wird die CSU ihre Krise ebenso wenig meistern wie mit den platten Durchhalteparolen ihres Generalsekretärs Dobrindt („Wir brauchen mehr Mut und Selbstbewusstsein“). Das ahnten auch die gestern versammelten Delegierten. Ihre Lebensgeister erwachten erst, als es einen Baron zu bejubeln galt, dem die Parteitagsregie gerade mal neun Minuten Redezeit zugestanden hatte.

Quelle: op-online.de

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