Bericht: Morddrohung gegen Sarrazin

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Thilo Sarrazin polarisiert die Massen derzeit wie kaum ein anderer

Berlin - Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" polarisiert Deutschland. Mittlerweile beschatten ihn Bodyguards. Jetzt ermittelt auch der Staatsschutz wegen einer Morddrohung.

Der Kölner Oberstaatsanwalt Rainer Wolf sagte der dpa allerdings, er habe bislang keinen konkreten Vorgang vorliegen. Jemand habe den Behörden einen Hinweis auf einen Internet- Eintrag bei Facebook gegeben, der eine Drohung wie “Sei des Todes“ beinhaltet haben soll und deswegen Anzeige erstattet, sagte Wolf. Ihm liege der Eintrag aber nicht vor.

Ob es sich tatsächlich um eine Drohung oder möglicherweise eher um eine “Todeswünschung“ handele, sei derzeit noch unklar. “Wir prüfen den Vorgang“, sagte der Staatsanwalt.

Die Behörden nehmen die Bedrohung des SPD-Mitglieds dennoch ernst. Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), sagt "Bild.de": "Sarrazin ist objektiv bedroht und wird das auch noch lange bleiben, denn die Bedrohung wird eher zunehmen, als abnehmen."

Linke Gruppen planen lautstarken Protest

Auch am Donnerstag weht Sarrazin voraussichtlich ein Sturm der Entrüstung entgegen. Ein Bündnis linker Gruppen will dann gegen die Lesung von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin (SPD) in Potsdam lautstark protestieren. Unter dem Motto “Keine Toleranz für Rassisten“ sei vor dem Veranstaltungsort in der Innenstadt eine Kundgebung mit mehr als 100 Teilnehmern angemeldet, sagte Polizeisprecher Mario Heinemann am Dienstag.

Sarrazins Auftritt im Nikolaisaal ist der Auftakt seiner bundesweiten Lesereise mit seinem Buch “Deutschland schafft sich ab“. Wegen seiner Thesen über Einwanderer steht der ehemalige Berliner Finanzsenator im Kreuzfeuer der Kritik. Ursprünglich sollte die Lesereise in einer Buchhandlung in Hildesheim starten. Der dortige Buchhändler sagte die Veranstaltung jedoch aus Sicherheitsgründen ab. Die Polizei in Potsdam wird Sarrazins Lesestunde notfalls mit Straßensperrungen schützen. “Wir bereiten einen Polizeieinsatz vor, der angemessen sein wird“, sagte Sprecher Heinemann.

Auch in der brandenburgischen Landeshauptstadt war Buchautor Sarrazin zunächst ausgeladen worden. Ein Kulturzentrum wollte ihm keine Bühne mehr geben. Mit dem Nikolaisaal fand das Brandenburgische Literaturbüro jedoch ein Ausweichquartier. Die Veranstalter rechnen wegen des “riesigen Zulaufs“ mit einem ausverkauften Abend.

tz / dpa

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