Ehrung für Westergaard

Kommentar: Ein mutiges Signal

Angela Merkel setzt mit ihrer Anwesenheit bei der Ehrung des dänischen Zeichners Kurt Westergaard, dessen Name seit seinen umstrittenen Mohammed-Karikaturen auf der schwarzen Liste radikaler Islamisten steht, ein mutiges Signal. Von Lorenz von Stackelberg

Schließlich ist abzusehen, dass diese Geste von Fanatikern als politischer Rückhalt für einen Akt der Provokation missverstanden werden wird und Anlass zu Gewalt geben könnte. Dennoch handelt die Kanzlerin richtig.

Westergaards „Verbrechen“ bestand darin, dass er die Meinungsfreiheit in einem Maß genutzt hat, das auch hierzulande nicht unumstritten ist. Religiöse Gefühle sollten keine Spielwiese für Spötter sein, und mittlerweile herrscht sogar so etwas wie Konsens darüber, dass man mit dem heiligen Buch der Muslime keine bösen Späße treibt.

Eine Weltreligion und ihre Gläubigen müssen indes auch öffentliche Kritik ertragen, ohne sie grundsätzlich als feindseligen Akt misszuverstehen. Es hieße die überwiegende Mehrheit der Muslime für dumm oder böswillig zu erklären, wollte man ihnen diese Fähigkeit zur Differenzierung nicht zubilligen.

Unterschied zwischen Grundrecht und Kreuzzüglertum

Konsens muss allerdings auch darüber herrschen, dass unsere Gesellschaft nicht schweigend zuschauen darf, wenn religiöse Fanatiker mitten in Europa zur Menschenjagd aufrufen und eines der wichtigsten Güter, die Meinungsfreiheit, bedrohen. Das wäre jener Kniefall vor den Todfeinden unserer Kultur, den der unerschrockene Westergaard bis heute verweigert.

Den Unterschied zwischen der Inanspruchnahme eines demokratischen Grundrechts und einem absurden Akt blinden Kreuzzüglertums demonstriert eine dubiose Sekte in den USA, die den Koran öffentlich verbrennen will. Die Welle öffentlicher Empörung in Politik, Gesellschaft und Kirchen vieler demokratischer Staaten wird das hoffentlich nicht nur verhindern, sie sollte auch alle Zweifler davon überzeugen, dass die Menschen des abendländischen Kulturkreises mehrheitlich sehr genau zu differenzieren wissen. Aus der muslimischen Welt hätte man sich eine ähnlich klare Distanzierung von den Mordaufrufen gegen einen harmlosen Zeichner gewünscht.

Quelle: op-online.de

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