Nach Obama-Wahl

Iran auf Schmusekurs mit den USA

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Mahmud Ahmadinedschad

Teheran - Nach innen tat der Iran so, als sei ihm die US-Wahl egal. Aber Obamas Wiederwahl war eine Erleichterung für Teheran: Der Gottesstaat will aus der Isolierung heraus. Das geht nur mit Obama.

Da bestätigt das Pentagon, dass der Iran in der vergangenen Woche eine US-Drohne unter Beschuss genommen hat, doch Teheran hält sich merklich zurück. Ein „unbekanntes“ Flugzeug sei aus dem iranischen Luftraum am Persischen Golf vertrieben worden, sagt Verteidigungsminister Ahmad Vahidi knapp. Kein Wort über den Erzfeind USA. Normalerweise wäre der Vorfall sofort Anlass gewesen, lauthals zu verkünden, dass der Gottesstaat dem „Großen Satan“ militärisch Paroli geboten habe. „Da wollte wohl jemand die Wiederwahl von jemandem nicht gefährden“, kommentiert ein Politloge in Teheran die ungewohnte Zurückhaltung mit Blick auf die Wahl des US-Präsidenten.

Das lange Schweigen und die laue iranische Reaktion zu dem Vorfall spiegeln das Interesse Teherans an einer Entspannung mit Washington wider. Zwar hatte Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast vor der US-Wahl gesagt, dem Iran sei es egal, wer die Präsidentenwahl am 6. November gewinnen würde. Aber so ganz gleichgültig war es Teheran dann doch nicht. „Mit Obama kann der Iran zumindest hoffen, aus der jetzigen Krise herauszukommen. Bei einem Sieg der Republikaner wäre auch ein Krieg nicht ausgeschlossen“ gewesen, sagt der Politologe. Barack Obama ist zwar im Atomstreit mit Teheran für Sanktionen, aber gegen einen militärischen Alleingang Israels gegen den Iran.

Vor vier Jahren hatte Mahmud Ahmadinedschad seinem amerikanischen Amtskollegen sogar noch Glückwünsche zur Wahl geschickt, was als der größte Tabubruch in der 33-jährigen Geschichte der islamischen Republik angesehen wurde. Diesmal gab es zwar keine Glückwünsche, aber Ahmadinedschad deutete im Vorfeld der Wahl einen neuen Schmusekurs an. „Auf der Basis gegenseitigen Respekts, ist der Iran bereit, seine negative Haltung zu den USA zu überdenken und Kontakte zu verbessern.“ Auch im Atomstreit.

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Laut Ahmadinedschad könnten sogar direkte bilaterale Gespräche schneller zu einer Lösung im Atomstreit führen als die bisherigen Gespräche mit allen UN-Sicherheitsmitgliedsstaaten plus Deutschland. Amerikanische Medien berichteten sogar schon über Geheimkontakte, die so richtig weder bestätigt noch dementiert wurden.

Nach Obamas Wiederwahl waren die Reaktionen in Teheran diesmal reserviert, aber keineswegs negativ. Ahmadinedschads Sprachrohr, die amtliche Nachrichtenagentur Irna, erhoffte sich von Obamas zweiter Amtszeit „positive Auswirkungen und Entwicklungen“. Mehmanparast sprach von einer „Mauer des Misstrauens, die jedoch entfernt werden könnte“.

Eines ist klar: Der Iran will heraus aus der Isolierung. Und eine neue Drohnenkrise käme da nicht gelegen. „Die Sanktionen haben das Land in eine Wirtschaftskrise geführt, und der Iran kann sich einfach nicht mehr leisten, da tiefer zu reinzurutschen“, erklärt ein ausländischer Diplomat in Teheran. „Ein Durchbruch kann nur mit Obama passieren, sonst wird Iran zu einem zweiten Nordkorea.“

Die Landeswährung Rial hat seit Jahresanfang zwei Drittel ihres Wertes verloren. Die Inflation liegt offiziell unter 30 Prozent, real aber über 50 Prozent. Inlandsflüge haben sich bis zu 70 Prozent verteuert. Die Regierung verbot den Import von „Luxusgütern“ wie Kaffee, Seife, Shampoo und Klopapier, um die Währung zu stützen.

Sogar Ahmadinedschads Gegner sind bei der Frage von Gesprächen mit dem Erzfeind flexibler geworden. „Verhandlungen mit den USA sind doch kein Tabuthema“, sagt der konservative Politiker Mohammad-Dschawad Laridschani. „Falls es den nationalen Interessen dienen sollte, reden wir mit dem Großen Satan sogar in der Hölle.“

dpa

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