Nerven Sie mal richtig!

Das Recht ist nicht teilbar? Pustekuchen! Seit Monaten brütet das Münchner Patentgericht über der Frage, ob ein Berliner Tiefkühlkost-Produzent mit Kräutern, die angeblich aus Rheinland-Pfalz stammen, eine Mischung für „Frankfurter Grüne Soße“ auf den Markt bringen darf.

Den Frankfurter Kräutergärtnern schwillt der Kamm, nur in der Mainmetropole und allerhöchstens bis zu 50 Kilometer drumherum sei es zulässig, von „Frankfurter Grie Soß“ zu sprechen, ärgern sich die Herren von Kerbel und Pimpernelle und lassen ihre Anwälte von der Kette.

Während an der einen Stelle penibel darauf geachtet wird, dass regionale Produkte halten, was sie versprechen, siegt andernorts Großmäuligkeit. Dem Verbraucher, der die Erzeuger in seiner Nachbarschaft stärken und aus ökologischen Gründen regional konsumieren möchte, zieht man das Geld aus der Tasche. Ob das Verbraucherministerium kurzfristig reagiert, darf bezweifelt werden. Die Materie ist zu kompliziert für schnelle, klare Schnitte. Wehren müssen wir uns erst mal selbst. Genau hinschauen und auf regionale Länderzeichen wie „Geprüfte Qualität Hessen“ und Herkunftssiegel wie „Landmarkt“ oder „Vereinigung Hessischer Direktvermarkter“ achten, beim Erzeuger oder auf dem Bauernmarkt kaufen und irreführende Regionalwerbung melden - das sind unsere Möglichkeiten.

Wir können aber noch mehr tun, wir können mal so richtig nerven. Wenn Sie in Ihrem Supermarkt auf dubiose „Regionalwerbung“ stoßen, bei der unklar bleibt, was denn nun dieses Produkt mit unserer Region eigentlich zu tun hat, schlucken Sie die Fragen nicht runter, sondern fragen Sie die gestresste Dame an der Kasse. Und wenn dort nichts kommt, lassen Sie halt den Chef antanzen.

Man hat in vielen Supermärkten die Ablagemöglichkeiten von Waren jenseits der Kasse auf ein Minimum reduziert. Der Kunde soll seine Sachen zusammenraffen, weil man ihn nach dem Abkassieren zügig aus dem Laden schaffen will. Tempo ist alles, Fragensteller, die den Betrieb aufhalten und andere Kunden auf Kritik bürsten, kann man nicht brauchen. Supermärkte, die regionale Produkte anbieten, sollten wir unterstützen. Denen aber, die uns vergackeiern, sollten wir unbequeme und zeitraubende Fragen stellen - bis ihnen ihr Trick hart auf die Füße fällt.

michael.eschenauer@op-online.de

Quelle: op-online.de

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