Nicht allein der Wille zählt

Kommentar: Bundeswehreinsatz gegen IS gefordert

Seltsame Zeiten, denkwürdige Entwicklungen: Da drängt eine Spitzenpolitikerin der Grünen eine CDU-Kanzlerin und ihren SPD-Außenminister zu einem Kampfeinsatz deutscher Bodentruppen in Syrien.

Wie leicht es mittlerweile auch den Grünen fällt, Tod und Verwundung deutscher Soldaten in Kauf zu nehmen. Ist das Realpolitik in letzter Konsequenz? Manche dürften das genau so sehen.

Näher betrachtet haftet der Forderung nach einem „robusten Mandat“ gegen die IS-Terroristen aber etwas Voodoohaftes, etwas von Nadelstechen in Puppen an. Denn selbst wenn ein UN-Mandat relativ schnell zustande käme, wovon niemand ausgehen sollte, so wäre es auch im Idealfall wohl eher eine Frage von Wochen, bis eine Truppe einsatzbereit wäre. Bis dahin dürfte etwa der bedrängte Ort Kobane längst gefallen, und weitere Menschen dürften abgeschlachtet sein. Mutmaßlich verlassen sich Kurden und US-Amerikaner auch gar nicht auf deutsche Militärhilfe. Und wer dazu die Meldungen der vergangenen Wochen über mangelhaftes deutsches Kriegsgerät noch im Ohr hat, der weiß: Sie tun auch gut daran. Man muss nicht nur wollen, man muss auch können.

Ob die Bundeswehr derzeit kann, scheint eher unwahrscheinlich. Insofern kommt der Grünen-Anregung zum Auslandseinsatz das Gewicht eines Placebos zu: mit großer Geste verabreicht, aber kein Wirkstoff drin.

Quelle: op-online.de

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