Nicola Beer als Hoffnungsträgerin

Kann sie die FDP retten?

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Die hessische Kultusministerin Nicola Beer gilt als Hoffnungsträgerin für die gebeutelte FDP.

Frankfurt am Main - Nicola Beer gilt als Hoffnungsträgerin der schwer gebeutelten FDP. Sie soll neben dem wahrscheinlichen Parteichef Christian Lindner Generalsekretärin werden.

Beers Kandidatur soll unterstreichen, dass den Länderbastionen der Liberalen eine Schlüsselrolle bei der Rettung der Partei zukommen soll, die bei der Wahl vom 22. September aus dem Bundestag geflogen war. "Ich glaube, dass der Neustart aus den Ländern heraus kommen muss", kündigte die 43-jährige Juristin bei der Vorstellung ihrer Kandidatur am Freitag in Berlin an.

In Hessen ist die FDP noch im Parlament

Beer kann damit punkten, dass die hessische FDP im Gegensatz zur Bundespartei weiter im Landtag sitzt. Bei der Landtagswahl, die zeitgleich zur Bundestagswahl stattgefunden hatte, schafften die Liberalen mit 5,0 Prozent denkbar knapp den Wiedereinzug in das hessische Parlament. Zwar hat Beer in ihrem Frankfurter Wahlkreis ein deutlich besseres Ergebnis eingefahren, ihr Ministeramt wird sie aber abgeben müssen. Denn die bisherige schwarz-gelbe Koalition im Wiesbadener Landtag hat keine Mehrheit mehr.

Sie waren die Chefs der SPD

Sie waren die Chefs der FDP

Für die ausgezehrte Bundes-FDP wäre Beer ein junges, frisches und weibliches Gesicht. Der Mangel an profilierten FDP-Frauen wird in der Partei seit langem als Manko angesehen. Die Liberalen hätten zwar viele profilierte Politikerinnen, bekundete Beer. "Aber vielleicht haben wir es nicht deutlich genug gezeigt."

Beer ist seit Jahren in der hessischen Landespolitik verwurzelt, auch wenn sie seit 2007 dem Bundesvorstand ihrer Partei angehört. In den hessischen Landtag zog sie erstmals 1999 ein. In der seit Anfang 2009 amtierenden schwarz-gelben Landesregierung war sie zunächst Staatssekretärin für Europapolitik und schließlich seit Mai 2012 Kultusministerin.

Seit Schulzeiten bei den Liberalen

Bei den Liberalen ist Beer bereits seit Schulzeiten aktiv. Mitglied bei den Jungen Liberalen (JuLis) wurde sie schon 1988 - ein Jahr, bevor sie in Frankfurt am Main ein deutsch-französisches Abitur ablegte. Danach folgten eine Ausbildung zur Bankkauffrau und ein Jura-Studium. Bis zu ihrer Ernennung zur Staatssekretärin im Jahr 1999 war sie auch als Rechtsanwältin in Frankfurt tätig.

Als eines ihrer wesentlichen politischen Ziele gibt die Mutter von zwei Söhnen, die mit ihrem Lebensgefährten in Frankfurt wohnt, die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf an. Das dürfte für sie nicht unbedingt leichter werden, wenn sie den schwierigen Neuanfang der FDP als Generalsekretärin mitgestalten will.

Nach dem Rauswurf der FDP aus dem Bundestag fehlt den Liberalen in Berlin die wichtigste Bühne. Deswegen hatten manche in der Partei Gefallen an der Idee gefunden, den schleswig-holsteinischen Fraktionschef Wolfgang Kubicki zum Generalsekretär zu machen. Kubicki gilt zwar mit gutem Grund als schwer berechenbar - aber zumindest wurde ihm zugetraut, der FDP auch außerhalb des Parlaments Gehör zu verschaffen. Beer ist auf Bundesebene hingegen noch ein unbeschriebenes Blatt.

Vetraute von Lindner

Mit Beer will Lindner wohl eine Vertraute in der Berliner Parteizentrale installieren, während er selbst auch als Chef der Bundes-FDP seinen Landtagsposten in Düsseldorf behalten will. Mit dem bisherigen Generalsekretär Patrick Döring verbindet Lindner eine gegenseitige Abneigung.

Döring war ins Amt gekommen, nachdem Lindner den Posten des Generalsekretärs Ende 2011 aus Frust über den Kurs von Parteichef Philipp Rösler hingeschmissen hatte. Jetzt möchte Nicola Beer den bisherigen Generalsekretär beerben und dabei auch ihre Erfolge vor Ort in die Waagschale werfen. "Ich will noch mehr mit den Menschen ins Gespräch kommen, um zu zeigen: So sind Liberale."

afp

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