Nobelpreis-Boykott: Scharfe Kritik an Serbien 

Brüssel/Belgrad - Die Europäische Union ist “enttäuscht“ und “besorgt“ über Serbiens Boykott der Verleihung des Friedensnobelpreises an den chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobo.

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“Wir würden natürlich erwarten, dass ein Land, das der Europäischen Union beitreten will, die Werte der Europäischen Union voll und ganz teilt“, sagte eine Kommissionssprecherin am Mittwoch in Brüssel. Die Kommission widersprach auch der serbischen Regierung, die die im Kosovo lebenden Serben zum Boykott der Kosovo-Parlamentswahlen am kommenden Sonntag aufgefordert hatte. “Wir ermutigen alle Bürger des Kosovos unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit, das demokratische Recht auf Teilnahme an der Wahl wahrzunehmen“, sagte die Sprecherin.

Zur Verleihung des Nobelpreises sagte die Sprecherin weiter: “Wir sind enttäuscht, wir sind besorgt über die mögliche Entscheidung Serbiens.“ Sie betonte, die 27 EU-Staaten hätten ausdrücklich ihre Präsenz bei der Verleihung des Friedensnobelpreises vereinbart. Die Einhaltung der politischen Kriterien sei entscheidend für die Empfehlung der Kommission, ob ein Land bereit oder nicht bereit zum Beginn von Beitrittsverhandlungen sei. Serbiens Außenminister Vuk Jeremic hatte das Fernbleiben seines Botschafters in Oslo mit der chinesischen Unterstützung Belgrads im Konflikt um die frühere südserbische Provinz Kosovo begründet.

Die Haltung ist in Serbien selbst umstritten. Der frühere Außenminister Vuk Draskovic bezeichnet den Boykott als schweren Fehler. Die EU-Sprecherin bedauerte auch, dass eine Reihe von Ländern, die zwar nicht beitreten wollen, mit der EU aber in der Nachbarschaftspolitik verbunden sind, ebenfalls die Nobelpreisverleihung boykottieren will. “Die Grundwerte sind auch die Basis unserer Partnerschaft“, sagte sie. Ägypten, Marokko, die Ukraine und Weißrussland zählen zu jenen Ländern, die sich zum Boykott entschlossen haben. “Wir sind natürlich enttäuscht, dass diese Grundwerte von Zeit zu Zeit nicht von unseren Partnern geteilt werden.“

dpa

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