Kommentar: Noch mehr Europa!

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Frank Pröse

Es kommt, wie es kommen musste. Nacheinander sehen sich immer mehr Euro-Länder gezwungen, den Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen. Von Frank Pröse

Auch für Italien wird es nur eine Frage der Zeit sein, wann es, in welcher Form auch immer, unter das von den Euroländern aufgespannte Hilfskonstrukt flüchten wird. Das Euro-Gebäude ist morsch, die Balken stehen wegen der längst erkannten Geburtsfehler der gemeinsamen Währung auf wenig solidem Fundament. Darüber hinaus schlägt dem Euro Skepsis entgegen. Spanien und Italien sind die vorerst letzten Opfer dieser Vertrauenskrise, die ja nur zu berechtigt ist. Geldspritzen wirken eben nicht nachhaltig genug. Das verkorkste Konstrukt, durch vertragsuntreue Mitglieder erst so richtig sturmreif geschossen, kann eben nur via Komplettsanierung gerettet werden.

Zunächst müsste die bisher fehlende gemeinsame Wirtschafts- und Fiskalpolitik stabilisiert werden. Dann heißt es, nationale Souveränität sowohl auf politischem wie auf ökonomischem Feld abzugeben. Nationale Budgets würden dann in Brüssel aufgestellt, wie Schulden vergemeinschaftet. Letzteres würde allerdings nur für neue Schulden gelten, die die Runde der Finanzminister zuvor genehmigt haben müsste.

Längst ist auch bei der Bundesregierung die Erkenntnis gereift, dass an solchen Reformschritten kein Weg vorbeiführt, soll nicht das große Ganze gefährdet werden. So gilt als sicher, dass zum nächsten Gipfel die Grundzüge einer politischen Union auf den Tisch gelegt werden, um sich beim Wettlauf mit den Börsianern endlich einmal einen Vorsprung zu erarbeiten. Nur auf diesem Weg lässt sich die Gemeinschaftswährung und damit die größte Wirtschaftszone der Welt noch retten. Das Motto dafür muss heißen: Mehr Europa.

Quelle: op-online.de

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