Überraschende Annäherung

Nord- und Südkorea - Ist das die Trendwende?

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Zeichen der Entspannung? Der gemeinsame Industriepark von Nord- und Südkorea Kaesong soll wieder eröffnet weden

Seoul - Nach den Spannungen in den vergangenen Monaten gehen Süd- und Nordkorea wieder langsam aufeinander zu. Pjöngjang nimmt überraschend ein Angebot Seouls über Regierungsgespräche an.

Pünktlich zum Treffen zwischen den Präsidenten Chinas und der USA leitet Nordkorea eine Entspannung im Konflikt mit Südkorea ein. Die Regierungen in Pjöngjang und Seoul einigten sich am Donnerstag auf Verhandlungen über die Wiederaufnahme des Betriebs im gemeinsamen Industriekomplex Kaesong. Nordkorea bot dem Süden die Gespräche an und Südkoreas Wiedervereinigungsminister Ryoo Kihl Jae schlug den 12. Juni dafür vor.

Verhandelt werden soll nicht nur die Wiederbelebung der seit April von den Arbeitern verlassenen Sonderwirtschaftszone Kaesong. Nordkoreas Angebot sieht auch Gespräche über eine Wiederaufnahme des seit 2008 ausgesetzten grenzüberschreitenden Verkehrs und die Zusammenführung von Familien vor, die durch die koreanische Teilung auseinandergerissen wurden. Zudem könnte eine vom Roten Kreuz betriebene Telefonleitung für Absprachen mit dem Süden wieder in Betrieb genommen werden. Die Verbindung war Mitte März als Reaktion auf Sanktionen unterbrochen worden.

Minister Ryoo forderte Nordkorea auf, die Telefonleitung des Roten Kreuzes schon bis Freitag wieder in Betrieb zu nehmen, um darüber weitere Schritte besprechen zu können. Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye begrüßte Nordkoreas Zustimmung zu Gesprächen. Es sei eine glückliche Entscheidung der nordkoreanischen Führung, auch wenn sie spät komme, teilte ihr Büro mit. Die Ankündigung des Komitees für eine Friedliche Wiedervereinigung Koreas war die erste Reaktion des Nordens auf einen südkoreanischen Vorschlag vom April, Gespräche auf Regierungsebene zu führen.

China lobte die Nordkoreas Initiative. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking sagte, er hoffe, die Gespräche trügen zu einer Entspannung der Lage bei und fänden im Zeichen von Frieden und Stabilität statt. Am Freitag besucht der chinesische Präsident Xi Jinping US-Präsident Barack Obama und in ihrem Treffen wird es auch um die Situation auf der koreanischen Halbinsel gehen.

Der Zeitpunkt für Nordkoreas Ankündigung sei sorgfältig festgelegt worden, sagte Koh Yu Hwan von der Dongguk-Universität in Seoul. So habe es Xi leichter, auf Obama im Nordkorea-Konflikt einzuwirken, erklärte er.

Seit Anfang April ist die Zukunft des Industriekomplexes Kaesong ungewiss. Nordkorea hatte damals alle 53 000 Arbeiter abgezogen - als Reaktion auf Wirtschaftssanktionen und ein gemeinsames Manöver der südkoreanischen und US-amerikanischen Streitkräfte. Anfang Mai hatten auch die letzten südkoreanischen Manager den Komplex verlassen. Die mehr als 120 Betriebe in Kaesong hatten von nordkoreanischen Arbeitern zu Niedriglöhnen angeliefertes Rohmaterial zu Produkten wie Uhren oder elektronischen Geräten zusammensetzen lassen. 2012 wurde ein Umsatz von 470 Millionen Dollar (etwa 361 Millionen Euro) verbucht.

China und die USA hatten Nordkorea zu Verhandlungen aufgefordert. Vor knapp zwei Wochen hatte ein nordkoreanischer Sondergesandter in China Gesprächsbereitschaft signalisiert.

AP/dpa

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