Kardinäle vor dem Konklave belauscht

Hörte die NSA auch den Papst ab?

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Papst Franziskus auf dem Balkon über dem Petersplatz in Rom, kurz nach seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche.

Rom - Jetzt trifft der Lauschangriff auch die Kirche: US-Geheimdienste sollen nach Medienberichten vor dem Konklave im März mehrere Kardinäle belauscht haben - darunter auch den späteren Papst.

Das italienische Wochenmagazin "Panorama" berichtete am Mittwoch, dass Telefonate innerhalb des Kirchenstaats und von dort ins Ausland abgehört worden seien - darunter auch solche aus der Unterkunft von Kardinal Jorge Mario Bergoglio, der später zum Papst gewählt wurde. Laut der Enthüllungsplattform Wikileaks war der Argentinier Bergoglio "schon seit 2005 eine interessante Zielperson für die amerikanischen Geheimdienste".

Das Journal berichtet unter Berufung auf eigene Quellen weiter, der US-Geheimdienst habe katholische Bischöfe und Kardinäle vom 10. Dezember des Vorjahres bis zum 8. Januar ausgespäht. Weitere Details wolle man am Donnerstag veröffentlichen, kündigte das Journal an, das im Besitz der Familie des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi ist.

Das Augenmerk des US-Geheimdienstes sei auch auf die Ernennung des neuen Präsidenten der umstrittenen Vatikanbank IOR gerichtet gewesen. Der Deutsche Ernst von Freyberg hatte die unter Geldwäsche-Verdacht stehende Bank im März übernommen. Die belauschten Gespräche seien neben der Kategorie "Bedrohungen für das Finanzsystem" in drei weitere Bereiche eingeteilt worden: "Zielsetzungen als Führer", "außenpolitische Ziele" und "Menschenrechte".

Jorge Mario Bergoglio ist Papst Franziskus

Jorge Mario Bergoglio ist Papst Franziskus

Zuvor hatte die Überwachungsinternetseite "Cryptome" berichtet, die USA hätten im Dezember 2012 und Januar 2013 rund 46 Millionen Telefonate in Italien ausgespäht. Darunter sollen laut "Panorama" auch die besagten Gespräche im Vatikan sein.

Mögliche Überwachungsaktivitäten seien im Vatikan zwar schon länger vermutet worden, erst jetzt aber hätten sich die Hinweise darauf erhärtet. Der Vatikan-Sprecher Federico Lombardi reagierte gelassen auf die Nachrichten. „Wir wissen nichts davon und sind auch nicht beunruhigt“, sagte er am Mittwoch zu Journalisten.

afp/dpa

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