Erstes persönliches Treffen

Lange Audienz: Papst Franziskus empfängt Obama

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Barack Obama (r.) und der Papst.

Rom - Ganze 52 Minuten sprachen Papst und US-Präsident im Apostolischen Palast miteinander - selten bedenkt der Pontifex einen Besucher mit so viel Zeit. Auch Geschenke wurden getauscht.

Draußen, auf dem Petersplatz, weht Barack Obama ein kalter, geradezu unangenehmer Frühlingswind entgegen. Drinnen, im Apostolischen Palast, kann sich der amerikanische Präsident dann rasch erwärmen. Strahlend und mit einem „Thank you, Sir, thank you“ eröffnet er seine erste Begegnung mit Papst Franziskus: „Ich bin ein großer Bewunderer“, fügt er entspannt an. Der ganz in Weiß gekleidete Jorge Mario Bergoglio erwidert Obama herzlich: „Willkommen, Herr Präsident!“ Die Weichen des Gipfeltreffen scheinen so gestellt: Lernen wir uns kennen, reden wir über die Probleme der Welt, über Armut und Bürgerkriege, weniger über das, was uns trennt.

Obama schenkt Papst eine Tasche mit Samen

An allen neuralgischen Punkten sind Polizei und Sicherheitskräfte postiert, als Obama in einer langen Kolonne von 26 Fahrzeugen in den Vatikan fährt. Die Ehrenwache der Schweizer Garde steht stramm für ihn, und Kurienerzbischof Georg Gänswein begleitet den hohen Gast aus Washington in feierlichem Schritt zum Kirchenoberhaupt. Der Chef des kleinsten Staates der Welt, der allerdings eine moralische Weltmacht ist, empfängt den politischen Führer der westlichen Hemisphäre. Dann ziehen sich die beiden Staatschefs zu einem Gespräch von genau 52 Minuten zurück, das sie in Englisch und in Spanisch führen.

Es war ein Termin zum Beschnuppern. Obama hatte diesen Weg mit einer Interview-Lobeshymne auf den Argentinier und dessen Engagement gegen Hunger, Ausgrenzung und soziale Ungerechtigkeiten geebnet. Die Krise um die Ukraine, der Bürgerkrieg in Syrien, die blutigen Auseinandersetzungen, das sollten auch Themen sein, wenn man mit einem Papst spricht, der sich so vehement für Frieden in der Welt einsetzt. Und der in einer Messe im Petersdom von den Politikern (in dem Fall vor den italienischen) Stunden zuvor verlangt hat, sie müssten volksnah sein. So wie er von seinen Kirchenleuten fordert, auf andere zuzugehen: Kirche und Politik sind für die Menschen da.

Und dann gab es wie üblich bei solchen Audienzen die Geschenke. Auch dort zeigte Obama eine ganz persönliche Note: Er überreichte dem Papst eine feine Lederschatulle mit Obst- und Gemüsesamen aus dem Garten des Weißen Hauses. Wenn er ihn mal in Washington besuche, dann könne er sich den Nutzgarten ansehen, so lud Obama den Herrn über die prächtigen Vatikanischen Gärten in die USA ein. „Warum nicht?“, so lautete die Antwort des Lateinamerikaners an den Nordamerikaner.

Obama beim Papst: "Bin ein großer Bewunderer"

Obama beim Papst: "Bin ein großer Bewunderer"

Mit Bergoglios Geschenk kann Obama auch etwas anfangen: „Evangelii Gaudium“ (Freude des Evangeliums) gilt als Manifest des Argentiniers. Das Buch, das erste Apostolische Schreiben dieses Papstes, werde er wahrscheinlich im Oval Office lesen, freute sich Obama. Es werde ihn beruhigen und ihm Kraft geben, „wenn ich zutiefst frustriert bin.“

Der Händedruck am Schluss war kräftig wie zu Beginn, Obama musste dann rasch sein übriges Programm im trüben Rom abwickeln. Ein langes Treffen mit Amtskollege Giorgio Napolitano im Quirinale-Präsidentenpalast sowie Meinungsaustausch mit Regierungschef Matteo Renzi. Danach endlich etwas Tourismus - eine fachliche Führung durch das Wahrzeichen der Ewigen Stadt, das antike Kolosseum. Denn Abwechslung sollte schon sein. Über den grauen Himmel mochte er dabei nicht jammern: „Es ist immer noch Rom“, sagte er zu Napolitano, „bei jedem Wetter schön“.

dpa

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