Kommentar: Papst trifft Sultan

Luxus, Verschwendung? Da war doch was. Wenn der Papst schon die Lebensweise eines gewissen Bischofs namens Tebartz-van-Elst für anstößig hielt, dürfte ihm die Zurschaustellung von monarchischem Prunk des türkischen Präsidenten zutiefst zuwider sein.

Doch Franziskus ist ein höflicher Mensch und reist an den Ort, an den er als Gast gebeten wird. Franziskus nimmt die Gelegenheit von Nähe wahr, sucht das Gespräch, auch mit einem – vorsichtig ausgedrückt – unbequemen Partner. Recep Tayyip Erdogan ist von höchster Schwierigkeitsstufe. Einst westlich orientiert, suchte er die Nähe zur EU; dann schränkte er demokratische Rechte ein; nun regiert er mit Formen (und Palästen) der Despotie.

Im Grunde trifft der Papst in der Türkei auf einen Möchtegern-Sultan, der sein Land weiter islamisiert, die Trennung von Staat und Religion schleichend aufhebt und die Welt einteilt in ehrenvolle islamische sowie bösartig gesinnte westliche Sphären. Erdogan sucht nur vordergründig die Annäherung, eigentlich will er spalten. Wer allen Ernstes kurz vor dem Papstbesuch ausruft, der Westen freue sich über den Tod von Muslimen und deren Kindern, ist ein unberechenbarer Hetzer. Der erste Kommentar des Papstes dazu war eindeutig: Noch bevor er Erdogan traf, besuchte er das Mausoleum des Staatsgründers Kemal Atatürk, jenes Mannes, der begann, die Türkei in die säkulare Moderne zu führen. Heute bewegt sich Ankara politisch rückwärts, unterdrückt oppositionelle Bewegungen, säubert den Staatsapparat und drangsaliert Minderheiten.

Letzteres hat der Papst im Hinblick auf die Lage der Christen in der Türkei deutlich angesprochen. Man kann nicht – wie von den türkischen Gastgebern gewünscht – über wachsende Islamophobie im Okzident reden, ohne die hunderttausendfache Christenverfolgung im Orient zu thematisieren. Die sei im Nahen Osten inzwischen schlimmer als im alten Rom, hat Franziskus in Interviews israelischer Zeitungen gewarnt.

Vergleiche sind immer gewagt, aber der entspricht eher den Tatsachen als der dumme und gefährliche Satz Erdogans.

Quelle: op-online.de

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