Fukushima und Atomdebatte

Kommentar: Raus aus der Risikotechnik

Das Hoffen und Bangen im japanischen Krisen-Atomkraftwerk Fukushima hält nicht nur die Japaner weiter in Atem. Gebannt blickt die Welt auf das Geschehen. Von Siegfried J. Michel

Gelingt es den Kräften vor Ort, den Super-GAU zu verhindern, dann wären Japan - und einige angrenzende Länder - noch einmal mit einem „strahlend“ blauen Auge davongekommen.

Die Debatte um die Atomkraft, zu ihrer Sicherheit und zu möglichen Alternativen wird natürlich nicht nur in Deutschland geführt. Dabei zeigt sich, dass die Weltgemeinschaft in der Frage der Zukunft der atomaren Energiegewinnung tief gespalten ist: So haben etwa die USA und Großbritannien nur ein Kopfschütteln für die durchaus als hektisch zu bezeichnenden Maßnahmen der Deutschen und ihrer Kanzlerin Angela Merkel (im Vorfeld wichtiger Wahlen) übrig. In Frankreich hat Präsident Sarkozy erklärt, für sein Land komme „ein Ausstieg nicht in Frage“. Die französischen Atomkraftwerke seien ja auch „zehnmal sicherer“ als andere, sagt er. Fukushima hin oder her, da hält z.B. auch Rumänien bisher an seinen Plänen fest, in Cernavoda zwei neue Meiler zu bauen - obwohl die Region an der Donaustadt als erdbebengefährdet gilt.

Das AKW-freie Österreich will sich dagegen vor allem in der EU gegen die Nutzung der Atomkraft stark machen, weil eben der Fallout nach einem großen Unfall in einem Meiler nicht an Landesgrenzen halt macht. In Schweden gibt es nach dem Fall Fukushima in der Bevölkerung keine Mehrheit mehr für den Ausbau der Atomenergie. Italien gab gestern bekannt, dass man nach dem Unglück in dem japanischen Unglücksreaktor die Pläne zum Wiedereinstieg in die Kernenergie für ein Jahr aussetzen wolle. Und siehe da: Auch im technikgläubigen Amerika mehren sich die besorgten Stimmen. Politiker in Kalifornien haben inzwischen Bedenken über die Sicherheit von Atomkraftwerken an der Pazifikküste, die ja, wie man schon seit Generationen weiß, ebenfalls ein Gebiet ist, wo die Erde immer wieder mal mehr oder weniger stark bebt.

Fakt ist - dies sollte allen Politikern auf diesem Globus nach Fukushima eigentlich klar geworden sein -, dass selbst ein Hochtechnologieland wie Japan die Atomkraft eben nicht beherrscht. Beben - und in deren Folge Tsunamis - sind nur ein Mosaikstein der denkbaren Gefahrenquellen für ein AKW. Dazu gehören nämlich auch noch: Flugzeugabstürze, Terroranschläge, Jahrhunderthochwasser oder einfach fatale Fehler des Bedienungspersonals. Die totale Sicherheit gibt es also nicht.

Dass die Atomenergietechnik eine lebensgefährliche Einbahnstraße, ein Irrweg ist, wird zudem unterstrichen durch den Fakt, dass es noch immer kein dauerhaftes Endlager für hochradioaktive Abfälle aus der Kernenergienutzung gibt - und dies weltweit. Damit ist und bleibt die Atomenergie eine Hochrisikotechnologie, aus der die Menschheit sich verabschieden sollte - möglichst rasch.

Quelle: op-online.de

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