Seehofers Forderung

Kommentar: An Realität vorbei

Schlechter hätte der Zeitpunkt nicht gewählt sein können: Just als Kanzlerin Merkel mit dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan über die Integration seiner Landsleute hierzulande sprach, leistet sich der bayerische Ministerpräsident mal wieder eine seiner politischen Entgleisungen. Von Marc Kuhn

Keine weitere Zuwanderung aus fremden Kulturkreisen, poltert Seehofer. Die Zustimmung bei all jenen an den Stammtischen, die auch schon den Sarrazinschen Thesen Beifall gespendet hatten, mag dem Provokateur gewiss sein. So versuchen Parteistrategen von seinem Schlag beim Wahlvolk zu punkten.

Mit dieser Politik der Nadelstiche betreibt der CSU-Vorsitzende indes ein gefährliches Spiel. Das gesellschaftliche Klima wird weiter vergiftet. Wer immer wieder Öl ins Feuer gießt, muss sich nicht wundern, wenn es irgendwann knallt. Und: Seehofer erweist der Union einen Bärendienst. Die meisten Bürger wissen nämlich doch, dass sein integrationspolitischer Amoklauf an der Realität vorbei geht.

Zwar mag in Deutschland beim Thema Integration noch einiges im Argen liegen. Gerade an Schulen zeigt sich immer wieder, dass Deutsche und Ausländer aufeinander zugehen müssen - nicht nur in den Problemvierteln Berlins. Es gibt allerdings auch eine Vielzahl von Beispielen für gelungene Integration.

Profilierungssucht der Akteure

Deshalb ist es Zeit, dass sich deutsche Politiker endlich der Realität hierzulande stellen und das Trauerspiel um Integration und Zuwanderung rasch beenden. Schließlich dreht sich dabei ohnehin alles nur um die Profilierungssucht der Akteure. Deutschland muss anerkennen, dass es ein Einwanderungsland ist - attraktiv für Menschen, die in der Heimat ihr Glück nicht finden. Wenn solche Länder Migranten Bedingungen wie zum Beispiel eine berufliche Qualifikation, Sprachtests oder ein Bekenntnis zur freiheitlichen Grundordnung abverlangen, hat das nichts mit Diskriminierung zu tun.

So kann aber eine reine Zuwanderung in die Sozialsysteme verhindert werden. Diese brauchen in den nächsten Jahrzehnten angesichts einer vergreisenden deutschen Gesellschaft dringend zusätzliche Beitragszahler - ein Umstand, den Seehofer und Co. in ihren tagespolitischen Grabenkämpfen allzu gerne unter den Tisch fallen lassen.

Quelle: op-online.de

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